The Shy Chef

Zu den Tugenden meiner Freunde gehört es leider nicht, eine häufige Einladung zum Essen zu erhalten. Wie die meisten Deutschen haben sie leider die häusliche Küche als unwirtlichen Lebensraum empfunden, in dem ihnen eher Abstumpfung als Sinneserweiterung beigebracht wurde. Daher fürchte ich, scheuen sie den Vergleich mit meinen vielleicht nicht spektakulären aber dafür auf langjähriger italienische Erziehung beruhenden Kochkenntnissen.

Wie eine Einladung bei den Freunden, die ich mir schon seit jeher erträumte, war der Abend im Secret Restaurant Shy Chef. Mehr Einzelheiten zu dieser kulinarischen Abenteuerreise, die man so schnell nicht wieder erlebt, gibt es nach dem Klick.

The Shy Chef

Nach dem man in die Gegensprechanlage den richtigen Passwortsatz gesprochen hat, gelangt man in die Räume des Shy Chefs in der Nähe des Mehringdamms. Ohne Erwartungen gehabt zu haben sind wir doch überrascht, in das private Wohnzimmer des reizenden Gastgeberpaars zu gelangen. In der Mitte des Raumes steht der Esstisch, der für sechs Personen gedeckt ist. Mehr als für Sechs kann sie in der kleinen Küche gar nicht kochen, erzählt uns die Schwedische Gastgeberin. Will sie auch nicht, denn wenn die Leute am Tisch zu viele sind, bilden sich Grüppchen. Auch Reservierungen für größere Gruppen müssen sie ablehnen. Das wäre gegen das Konzept. Es sollen sich fremde Menschen wirklich für einen Abend begegnen. Genauso wie wenn man bei Freunden zum Essen geladen ist und weiß, dass ein unbekanntes Paar ebenfalls erscheinen wird. Es ist eine Mischung aus Sorge und Aufregung. Wie werden unsere Tischgenossen sein, fragt man sich insgeheim und befürchtet im Stillen, einen Abend mit aufregend plappernden Hühnern oder noch schlimmer dahinvegetierenden schweigenden Zombies zu verbringen. Doch im Grunde kann bei dieser Begegnung wenig schiefgehen, denn alle Gäste, die kommen, sind darauf eingerichtet einen besonderen Abend zu verbringen.

The Shy Chef

Und falls man sich in der Konversation nichts zu sagen hat, kann man sich auch einfach dem Genuss des Essens hingeben, welches einfach nur einmalig ist. Jeder der sechs Gänge wird von der Köchin persönlich beim Servieren erklärt. Oft erzählt sie auch zum ein oder anderen eine kleine Geschichte. Auch wird zu jedem Gang ein anderer Wein kredenzt, welcher ebenfalls vom Gastgeber angekündigt wird. Dabei hat die ganze Inszenierung nichts Gestelltes oder Gewolltes. Alles wirkt einfach nur liebevoll und natürlich. Der Abend geht mit einem herrlichen Nachtisch zu Ende, den ich aufgrund einer Nussallergie leider nicht genießen kann. Dennoch, ohne dass ich danach frage, wird mir in der Schnelle ein Alternativnachtisch gezaubert, was mich endgültig davon überzeugt, dass man hier nicht nur ein Gast ist, sondern wirklich für einen Abend ein Freund.

The Shy Chef

Der Shy Chef eröffnet jeden Freitag und Samstag seine Küche für jeweils sechs Gäste und nur nach Reservierung. Details findet ihr hier.

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