I got a feeling, it’s automatic…

Lang herbei gesehnt und schon wieder vorbei. Nach dem ich mich von diesem anstrengenden Wochenende erst einmal erholen musste, nun hier der exklusive Berlin Festival Bericht. Von der Arbeit hetzte ich nach kurzer Dusche und fixem Aufhübschen am ersten Festival-Tag zum Flughafen Tempelhof. Reichlich spät, aber doch noch pünktlich, bekam ich Pete(r) Doherty und seine zwei Ballett-Tänzerinnen noch zu sehen. Pete, genialer, aber ständig zugedröhnter früherer Sänger der Libertines und Model-Zerstörer, er war für mich eher zu hören, als zu sehen. Warum nur positionieren sich übergroße Menschen während eines Konzerts immer direkt vor mir? Reichlich überrascht war ich von Dohertys klarer und unverkennbarer Stimme, mit der er alle Songs a la MTV unplugged wiedergab und nicht nur bei mir eine Gänsehaut hervorrief.
Ein Freund von mir hat Pete(r) später am Abend auf der Vip-Toilette wiedergetroffen und ein kurzes Pläuschen mit ihm gehalten. Allzu klar war dessen Zustand jedoch nicht mehr, taumelte der gute Pete doch eher vom Pissoir in Richtung Ausgang als dass er lief.
Meine weiteren Eindrücke nach dem Klick.

Ich selbst verbrachte den restlichen Abend damit, das Festival-Gelände zu erkunden, welches unter anderem Platz bot für ein altes Flugzeug, diverse Essens- und Promostände, Bars, für einen White Trash Fast Food-Bereich sowie einen Tischtennisbereich. Wiederholt musste ich den Afrostand aufzusuchen, wo ich genüsslich Erdnusscremesuppe und den bunten Dreierlei-Teller verschlang. Mmmmh!!

Am ersten Tag hatte man wohl mit mehr Menschen gerechnet, da es ohne weiteres möglich gewesen wäre, auf dem Areal ein Fußballtunier auszutragen. Mein Vorschlag für das nächste Mal wäre ein wenig Gras, eventuell eine kleine Wiese, auf der die Schnapsleichen und die erschöpften Jugendlichen weich gebettet wären und sich auch Liebespaare mal zurückziehen könnten!

Am zweiten Tag machte ich mir nicht den Stress nach der Arbeit etwa noch nach Hause zu fahren, um mich zu duschen-ansonsten hätte ich ja die Rifles verpasst, die mich als meine erste Band des Abend ohnehin ins Schwitzen gebracht haben. Lustige Mädchen, welche die Texte fehlerfrei mitgrölten und die mit allerhand Plüschtieren bewaffnet waren, regten mich außerdem zum Fotografieren an. Glücklich und noch immer “Repeated Offender” grölend durchstreifte ich sodann mit meiner Freundin das Festival Gelände, dass am Samstag wesentlich gefüllter war als noch am Freitag.

Es ging ab zur Bar, ein kurzer Stop am Afrostand, wieder zur Bar und zurück in die Main Hall, dort spielten kurz nach den Rifles Zoot Woman. Dort sangen wir lauthals so schöne Songs wie “Automatic” und “Living in a Magazine” mit und schwelgten in Erinnerungen an alte Zeiten. In unserer Euphorie nach diesem schönen Konzert, hatten wir jedoch leider die Zeit nicht beachtet und daher den kurz darauf spielenden Jarvis Cocker verpasst. Ärgerlich!

Halb mit Erstaunen, halb entsetzt haben wir später die Show von Deichkind verfolgt, deren Musik sicher eine reine Geschmackssache ist, die Show aber nichts geringeres als der reine Wahnsinn. Ich konnte nicht umhin, eine gewisse Ähnlichkeit mit früheren Bühnenshows von Rammstein auszumachen, nur mit mehr Lichteffekten. Es gab lustige Tiermasken, angedeutete sexuelle Handlungen und gar Hypnoserituale zu beobachten, denn das Publikum wurde aufgefordert, sich auf den Boden zu hocken und folgte dem fast ausnahmslos. Belustigung auf unseren Gesichtern, aber auch ein beklemmendes Gefühl als wir uns plötzlich als einzig stehende Personen inmitten von sich auf Kommando nieder hockenden Menschen befanden… scary!

Wir verließen schließlich die Deichkind-Fan-Armee und vergnügten uns auf dem lustigen kleinen Dancefloor der mobilen Disko mit Elektro-und Indiemusik.
Später am Abend galt es dann Obacht zu geben, nicht auf eine der überall in der Dunkelheit verstreuten, tief schlafend herumliegenden Personen zu treten, die sich offenbar völlig verausgabt hatten. Auch ich habe aufgrund völliger Erschöpfung alle weiteren Acts verpasst, mich später aber eigenhändig mit Zoot Woman in den Schlaf der Gerechten gesungen. “I got a feeling, it’s automatic…”





August 12th, 2009 at 23:18h
ahhhhhhhhhhhhh, der fehlerteufel war am werk………..pons wird mich zerreißen-dabei hatte ich in Deutsch und Englisch doch immer ‘ne eins!!
August 14th, 2009 at 00:58h
Ha ich war mit Pete piss… . Er hat wegem dem Konzert noch ganz schön geschwitzt und sah ziemlich fertig aus. Und das wegen einer Stunde Balladen spielen! Beim Smalltalk kam nicht viel und auf eine Cola hat er mich auch nicht eingeladen. Benimmt sich so ein Star?
August 14th, 2009 at 10:17h
lovely pic!!! EVERYONE hearts our cuddly toys…haha! are they famous now?
August 14th, 2009 at 11:51h
Zitat: “I spent most of the evening exploring the giant area that accommodated an old plane, several food boxes, bars, a White Trash Restaurant area, promotional stands and even a ping pong area!”
Also ich weiß ja nicht, was du an Festivalerfahrung hast - aber “giant” und “huge” sind ja wohl keine Begriffe um das gelände zu beschreiben!!!
Wenn du zum Hurricane-Festival “huge” sagst, oder zum Fusion-Gelänge “big” mag das ja passen. Aber wenn man sich snstige Berichte von anderen Besuchern durchliest, ist der einstimmige O-Ton “klein”, “eingepfercht” und “warum zur Hölle ist das Gelände so klein”. Von daher möchte ich dem Leser, die viel. “echte” Festivals kennen, diese Illusion nehmen, so dass sie nächstes jahr nicht genauso enttäuscht sind wie ich…
Andere Berichte zum Festival (inklusive Zur-Wort-Meldung der Veranstalter selbst), siehe hier:
http://www.direkteingabe.com/2009/08/10/berlin-festival-2009-das-schreiben-die-anderen/comment-page-1/#comment-1697
August 14th, 2009 at 20:03h
Schatz,nice try!
Ich war schon auf soooo vielen Festivals überall auf der Welt, Fusion und Hurricane sind für MICH Kommerz! Da war ich vor Jahren das letzte Mal!
Aber jeder kann ja denken, was er möchte. Ich fands für das Berlin Festival schon ziemlich gross, immerhin war es mitten in der Stadt. Eingepfercht habe ich mich dort nicht gefühlt, natürlich gibt es größere Festivals, aber die sind nicht gleich besser. Also bitte, das ist doch naiv, das Berlin Festival mit dem Hurricane zu vergleichen. Dort in der Pampa…
Ps: Warst Du schon einmal auf einem Festival in der ägyptischen Wüste oder auf einer asiatischen Insel, die nur mit dem Kanu zu erreichen ist?
August 16th, 2009 at 10:34h
Hey Suzanne,
der Vergleich mit dem Hurricane sollte nur die Richtung weisen. Ich selbst habe dort auch nur gearbeitet und sehe das nicht als DAS Festiavl an. Die Vergleiche sollten nur versinnbildlichen, was ich unter Festivalweite und -gefühl verstehe.
Und zum eingepfercht sein: Ja, ich und viele andere mit denen ich gesprochen habe, haben sich in anbetracht der “Weite” hinter dem Zaun eingepfercht gefühlt!
Ich verstehe unter Festival eben was anderes. Und bei der “Fusion” von Kommerz zu sprechen, finde ich auch etwas daneben. Wobei mich dieses ganze “Kommerz”-Thema echt annervt - Kommerz ist doch in Maßen notwendig, damit so etwas wie ein Festival (zumindest in Dtld.) auf die Beine gestellt werden kann. Irgendwo muss doch die Kohle für die Anlage, Bühne und Grundversorgung der Besucher mit Klos, Wasser und PLatz herkommen. Geld gehört nun einmal zur Welt und wer das immer nur platt mit “scheiß Kommerz” ab tut, hat in meinen Augen die Welt nicht verstanden und sollte vielleicht lieber in der “Wüste” oder auf irgendeiner “Insel” bleiben.
Aber nun gut - ich sehe das einfach anders und damit will es auch belassen.
Dir einen schönen Sonntag!