I am everybodys best friend…

Attitüde ist wieder mal alles, dachte ich, als ich am Freitag um 10 Uhr Abends durch die angeblich härteste Tür der Stadt, dem Eingang zur Panorama Bar, zur mega exklusiven Vernissage von Wolfgang Tillmans laufe. Die Gästeliste, die gerade mal eine A4 Seite beträgt, ist nicht wie sonst mein Schlüssel zu diesem erhofft spannenden Abend. Stattdessen laufe ich zum Türsteher und erzähle ihm, ich wäre von Wolfgang höchstpersönlich eingeladen worden und meine 4 Freunde im Gepäck übrigens auch. Nachdem er uns wie Ehrengäste höchstpersönlich reinwinkt ist mein Adrenalin an den Sternen. Drinnen dann die Enttäuschung. Was nun in der Panoramabar anders ist und warum das im Grunde nichts anderes ist, lest ihr nach dem Klick.
Für alle, die mit der ausgehängten Kunst in der Panorama Bar nicht vertraut sind, eine kurze Zusammenfassung: Bisher schmückten zwei etwas düstere, blassrosa gehaltene, gigantische Fotochemieexperimente, genannt Freischwimmer I und II, die längere Wand. Rechts von den beiden, versteckt für die Augen des eintretenden Besuchers, ein etwas weniger abstrakteres Bild, welches den Fokus auf weibliche Genitalien hatte. Während mir also einer der anwesenden Kunstexperten ins Ohr flüstert, es wäre keine echte, sondern eine operierte Klitoris gewesen, die bisher da zu sehen war, betrete ich den Raum, in dem es von Kunstprominenz nur so wimmelt. Außer Mark Brandenburg, den ich sogar von selbst erkannt hätte, sagen mir die meisten Namen nichts. Es gibt Sekt und Bier und Wasser umsonst. Aber Moment! Es ist ja eine Vernissage oder? Also nun zur Kunst.
Ohne arrogant klingen zu wollen, frage ich mich, warum jetzt statt den Freischwimmern ein beinah identisches paar an Fotochemieexperimenten an der einen Wand hängt, das statt blassrosa nun grün ist. Nun gut! Mit Abstraktionen bin ich eh nicht so vertraut. Hübsch siehts aus, keine Frage. Aber Innovation sieht anders aus. Dann schauen wir mal auf die Klitoris, denke ich bei mir, ohne sexuelle Hintergedanken (und wer kann das schon mal so locker von sich behaupten). Statt der Klitoris prangt nun eine überlebensgroße Fotografie eines männlichen Anus an der Wand. Das finde ich wirklich schade, weil bei mir vor allem ein Gedanke hängen bleibt: Banal.
Also warum da ein großes Brimborium stattfindet für Bilder, die im Grunde das gleiche wie davor sind, nur in grün und männlich, kann ich wohl nicht beantworten. Lieber Wolfgang, da wir nun best friends sind, könntest du mir ruhig mal erzählen, warum du nichts Neues zu bieten hast als Chemie und Geschlechtsteile? Gerade in der Panoramabar, wo ich zum ersten mal deine Werke betrachten durfte und zum ersten mal deinen Namen gehört habe, wurde ich ein wenig von dir enttäuscht.


Januar 30th, 2010 at 12:59h
Super peinlich! Dachte ich mal wieder, als ich diesen Text gelesen habe. Wenigstens gibt der Autor zu, dass er keinerlei Gespür oder auch nur wenigstens ein weiterführendes Interresse für Kunst hat. Anstelle dessen belegt er sehr schön, was ich mir schon länger über euch, super oberflächlichen Kunstschmarotzer, gedacht habe. Es ist halt gerade hip auf Eröffnungen rumzuhängen und irgendwas mit “Kunst” zu machen…..
Januar 30th, 2010 at 14:03h
Ehrlich gesagt war ich wirklich gespannt und interessiert was jetzt neu in der Panoramabar hängen soll. Deswegen wahr ich auch dort. Sekt Bier und Wasser kann ich auch woanders trinken und das auch entspannter.
WIe immer ist der Zusammenhang aus Deskription, Intention und Unterstellung im Auge oder in der Fantasie des Betrachters. Fantasie allerdings finde ich wie immer wirklich spannend!
Januar 30th, 2010 at 14:39h
Mit Kunstschmarotzer meinte ich nicht, sich an dem Angebot von freiem Alkohol zu bereichern, sondern eher sich unberechtigt den Status eines angeblichen Szenemultiplikators anzueignen, um sich dadurch besonders toll zu fühlen. Und darum geht der Text ja auch eigentlich, wie cool man doch selbst ist da man und seine vier buddies da war. Denn über Kunst selbst, da du nur ein Leie bist wie du selbst schreibst, kannst du dann natürlich auch nur leienhaft schreiben.
Januar 30th, 2010 at 15:28h
Der erste Satz den du schreibst ist wirklich kompliziert. Vielleicht kann ich ein Versuch starten ihn zu begreifen. Also ich bin ein Kunstschmarotzer, (ich habe bei Wikipedia nachgeschlagen und da gibt es keinen Eintrag dazu, bis dahin fällt es mir schwer dieses Wort zu verstehen) weil ich einen unberechtigten Status besitze und durch diesen Status fühle ich mich besonders toll. Ich würde jetzt gerne mal wissen welchen Status ich nun besitze. Achso ja stimmt, des angeblichen Szenenmultiplikators.(ein weiteres Wort was nicht bei Wikipedia existiert oder sonst einem lexikalischem Verzeichnis)
Zum Glück schreibe ich gerade eine Arbeit über Neulogismen oder Wortschöpfungen und ich weiß: “Sprecher lebender Sprachen produzieren oder erfinden täglich neue Wörter, mit denen sie spontan entstehende Benennungslücken schließen.”
Das du nun spontan zwei neue Wörter nur für mich erfunden hast lieber Topsy ist eine fantastische kognitive Leistung. Und das nur weil es dich ärgert (oder zumindest ein bisschen) das ich mich so besonders toll fühle. Das finde ich interessant. Weil ich mich ziemlich selten so besonders toll fühle. Aber das ist ein anderes Thema.
Jetzt frage ich mich aber als kritische Person, warum du deinen kreativen Ärger in die Entstehung dieser beiden Wörter gesteckst hast, die mich bestimmt ein wenig beleidigen sollten. Viel interessanter für mich, die Leser und warscheinlich sogar für dich wäre gewesen, wenn du uns an deine Perzeption oder Meinung zu Wolfgangs neuer Kunst in der Panoramabar teilhaben hättest lassen. Darüber hätten wir einen wirklich interessanten Dialog führen können. Tatsächlich gebe ich selber zu ein Laie zu sein. Meistens ist solch eine Einschränkung auch eine Demutsbekundung jedem Künstler gegenüber dessen Arbeit ich kritisiere. Wobei du vielleicht wissen solltest das wir im Zeitalter der digitalen Wissenreproduktion alle Laien sind. Wir können nicht alles wissen und wer behauptet das zu können ist etwas naiv. Dazu empfehle ich gern den Wikipedia-Artikel zum Thema “Wissen”. Sehr lesenswert. Der Begriff Laie ist keine Beleidigung, sondern drückt nur aus das ich dem Laios (altgriech. dem Volk) zugehöre. Also bin ich ein einfacher Junge aus dem Volk und kein angeblicher Szenemultiplikator und damit hast du sicherlich recht.
Ich bevorzuge dem Begriff Laie, den Begriff Amateur. “Ein Amateur ist eine Person die eine Tätigkeit aus Liebhaberei ausübt, ohne einen Beruf daraus zu machen bzw. Geld für seine Leistung zu erhalten.”
Das trifft es in meinem Fall ganz gut…;-)
Januar 30th, 2010 at 17:24h
Also, eigentlich verstehst du mich ganz gut, allerdings bezog sich meine Kritik “Super Peinlich” auf den Haupttonus Deines Textes. Oben steht es doch schwarz auf weiss “Nachdem er uns wie Ehrengäste höchstpersönlich reinwinkt ist mein Adrenalin an den Sternen.” Genau das finde ich im gesamten Kontext Superpeinlich. Und nicht Deine s.c. Kunstkritik alleine. Dass du ein Laie bist und daraus keinen Hehl machst halte ich Dir ja zu Gute! Kunst ist für alle gleichberechtigt da und jeder soll sich eine Meinung bilden. Und da ich selbst noch nicht in der neuen Panne war, kann ich dem natürlich auch keine Kritik entgegen setzten.
Januar 30th, 2010 at 17:39h
ich finde es schade, auf was für ein niveau diese diskussion hier gerutscht ist.
ich selber bin kunsthistoriker und würde mich als alles andere als kunstlaie bezeichnen.
auch ich war bei der eröffnung am freitag. und auch wenn ich cr´s beschreibung aus meiner kunsthistorischen perspektive als sehr subjektiv erklären würde, muss ich ihm im allgemeinen zustimmen.
ich bin sehr enttäuscht von der künstlerischen umgestaltung der panorama bar. sowohl von den neuen bildern als auch von der sitzlandschaft (und der deckenbeleuchtung!!). ich denke, dass die neuen konzepte in den räumen nicht aufgehen. dafür sprechen nach meiner meinung viele gründe, die ich hier nicht weiter ausführen möchte. die umgestaltung ist, sowohl was den kunstaspekt als auch die dekorativität der räume angeht, eine verschlechterung.
und ich denke, man muss kein kunstkenner sein, um dies zu erkennen.
Januar 30th, 2010 at 18:38h
haha, welch herrliche abwechslung in der bibliothek! also ich finde ja er hat recht: kunst kritisieren – und dann auch noch oeffentlich und (am allerschlimmsten!) mit spass dabei, den man dann auch noch zugibt (extremsteigerung!)- sollte man nur mit diplom duerfen. aber auch dann nur nach vorheriger gesinnungspreufung. sonst koennte in unserer … Mehr anzeigengesellschaft am ende noch jeder “leie” zu allem was sagen und wo kaemen wir denn da hin! hauptsache man wird am ende nicht noch gezwungen, blogs zu lesen und zu kommentieren, die einem mal ja so gar nichts sagen. herrlich!
Januar 30th, 2010 at 18:56h
aha! Also weil dir ein oder mehrere Sätze in meinem Text nicht gefallen haben oder du sie im Kontext unpassend findest, bin ich ein oberflächlicher Kunstschmarotzer. Und weil ich ja Kunstschmarotzer immer noch nicht finden kann, habe ich mal Oberflächlichkeit nachgeschlagen.
Oberflächlichkeit= fehlende Notwendigkeit beziehungsweise das fehlende Bedürfnis, sich mit dem Gegenüber wirklich und tiefer auf ein Gespräch oder eine Beziehung einzulassen.
Auf wen trifft das den plötlzlich ganz gut? Aber nichts für ungut. Ich bin tatsächlich immer relativ offen für kritik und Metaphern wie “Adrenalin an den Sternen” sind vielleicht auch nicht schriftstellerische Meisterleistungen. Bin dennoch relativ ungeneigt mich und meine Arbeit deswegen auf globaler Ebene beleidigen zu lassen.
Januar 31st, 2010 at 20:33h
“Hübsch siehts aus, keine Frage. Aber Innovation sieht anders aus. ”
Ja dann beschreib uns das doch mal. Ich bin gespannt.
Flacher Post, flacher Blog.
Februar 2nd, 2010 at 09:28h
Langweiliges Selbstbew…, cr. Dein Post und deine Kommentare. Gähn …
Februar 3rd, 2010 at 19:55h
mh… ich frag mich aber auch, warum noch mal das gleiche in grün kommt, obwohls ganz hübsch ist.