Wie schon erwähnt, habe ich auf meinen 8 Tagen bei der Berlinale ganze 27 Filme geschaut. Nicht alle davon werden es in die Kinos schaffen, aber in dieser Woche hat ein Film den Sprung geschafft. Leider ist es einer jener, bei denen die große Auswertung schon vor dem Festival feststand und den ich wenig spannend fand. Aber ich habe auch den Roman Nachtzug nach Lissabon von Pascal Mercier nie zu Ende gelesen…

Im verregneten Bern zieht der gelangweilte Lehrer Raimund Gregorius (Jeremy Irons) eine suizidale Frau von der Brücke und findet ein Zugticket nach Lissabon sowie ein kleines Buch in dem roten Mantel welchen Sie zurücklässt. Die Worte in dem Buch faszinieren ihn so sehr, dass er mit nichts mehr als dem Mantel der Frau und dem Büchlein in den Zug nach Lissabon steigt. Als Raimund in Lissabon eintrifft beginnt er die Geschichte hinter den faszinierenden Gedanken im Buch zu erkunden und stöbert im Leben des Autoren Amadeu Inácio de Almeida Prado. Durch einige Zufälle und sehr langsam beginnt Raimund das Vertrauen von Prados Freunden und dessen Familie (unzählige Stars wie Melanie Laurent, Bruno Ganz, August Diehl, Martina Gedeck) und deckt das unterdrückte Mysterium um diesen Mann wieder auf.

Der Film basiert auf Pascal Merciers gleichnamigem Bestseller, welches vor einigen Jahren ewige Zeiten auf meinem Nachttisch verbrachte um am Ende doch halb gelesen wieder ins Regal zu wandern.Das Buch wurde inzwischen in 32 Sprachen übersetzt und allein in Deutschland wurden über 2 Millionen Exemplare verkauft, aber für mich war es einfach nichts.

Jetzt dachte ich mir, vielleicht ist der Film ein hübscher Ersatz, aber das ist leider überhaupt nicht der Fall. Merciers Buch begründet jegliche Handlung in Raimunds Wahrnehmung der Gedanken Prados. Diese treffen den unglücklichen Lehrer, veranlassen ihn dazu impulsiv zu handeln, ungeplant nach Lissabon zu reisen und sein eigenes Leben grundlegend zu überdenken. Unglücklicherweise muss eine funktionierende Form innere Monologe filmisch darzustellen erst noch erfunden werden und so verliert der Film all diese Gedankengänge und –spiele. Schaut manden Film ohne Kenntnis des Buches erschliesst sich nicht warum Raimund so an Amadeu Inácio de Almeida Prado interessiert ist und folglich wirken die gesamten Handlungen unmotiviert. So erzählt der Film eher wie Raimund die Geschichte eines jungen Mannes in Zeiten des portugiesischen Regimes und der Revolution entdeckt.

Das ist eine interessante Geschichte und ich bin fast gewillt das Buch noch einmal in Angriff zu nehmen, aber insgesamt ist der Film flach, langweilig und die Geschichte plätschert vor sich hin, statt hinausposaunt zu werden. Aber wenn Ich es wirklich nochmal durch Pascal Merciers Buch schaffe, dann hatten die 110 Minuten im Kino doch wenigstens etwas Gutes.

Nachtzug nach Lissabon (R: Bille August, CH/PT 2012)

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