Fotos: The Hundert /Irene Wissel

Vor 5 Jahren kam Jan Thomas nach Berlin, um ein „großes Online Ding“ (wie viele andere, die hierher kamen) zu starten. Mit seinem traditionellen Marketing Hintergrund, wusste er nichts über Start-Ups und hatte auch keine Kontakte in der Szene. Was er jedoch hatte, war ein starkes Interesse an dieser Welt und so fing er an auf seinem Blog „Berlin Valley“ darüber zu schreiben. Er lernte sehr schnell, wie die Szene funktioniert, was deren Probleme sind und welche Bedürfnisse sie haben. Als Blogger wurde er zu allen möglichen Events eingeladen, wo er viele neue Leute kennenlernen konnte. Nach einem Jahr hatte er einen großen Haufen an Visitenkarten auf seinem Schreibtisch liegen und so fragte sich Jan, wie er all diese Kontakte für seinen Blog nutzen konnte. Seine erste Idee war, die Meinung der zehn wichtigsten Akteuren über die Berliner Start-Up Szene zu veröffentlichen. Es sollte sich einfach gestalten, aber interessant sein. Doch er hatte Probleme damit, die Anzahl der möglichen Teilnehmer auf zehn zu reduzieren und erweiterte diese erst auf fünfzig und dann auf 100 – das Konzept von The Hundert fand langsam seinen Anfang. Wenig später entstand aus dieser verrückten Idee The Hundert Vol. 1, das erste gedruckte Magazin, welches über die Berliner Start-Up Szene berichtet. Seit dem wurden sechs Ausgaben herausgebracht, zur Zeit sind es vier Ausgaben pro Jahr.

Wir sprachen mit den Redakteuren von The Hundert über die Vorteile Berlins, wie man sein Projekt startet, wie man netzwerkt, sein Projekt finanziert und vieles weiteres. Mehr in unserem neuen Interview aus der Reihe die Berlin Experten nach dem Klick.

Was unterscheidet euch von anderen Magazinen?

Das Print-Magazin für die digitale Szene!

The Hundert ist eine völlig unabhängige Zeitschrift – was die Regeln des Marktes bricht. Das Konzept ist es, einen Einblick in die Berliner Start-Up Szene zu bieten, welche vom Online- Business dominiert wird.

Ein hochwertiges kostenloses Magazin.

Wie ist es möglich ein Magazin in hoher Qualität (und zu einem teuren Preis) zu drucken und dieses dann kostenlos zu vertreiben? Da gibt es zwei Faktoren, die das ermöglichen: Wir haben tolle Sponsoren (wie KPMG, Weberbank und City Berlin), welche uns seit der ersten Ausgabe tatkräftig unterstützen. Unser Vorbild war eigentlich das brand eins. Ein absolutes Highlight war Jan Beckers (CEO der Hitfox Group und einer der erfolgreichsten und einflussreichsten Unternehmer in Berlin) Kommentar: “The Hundert is becoming the brand eins for the German startup scene.”

Nur Berliner Startups!

The Hundert hat einen starken Fokus auf Berlin gelegt. Die Unternehmen, über die wir schreiben wurden hier gegründet oder haben ihren Hauptsitz in der Stadt. Berlin ist übrigens das Zuhause von mehr als 30% der deutschen Start-Ups und jeden Tag werden zwei neue Unternehmen gegründet. Für uns bedeutet das eine unendliche Menge an Unternehmen, über die wir schreiben können.

Jede Ausgabe eine Überraschung

The Hundert ist ein monothematisches Magazin – wir stellen jedes Mal hundert Geschichten rund ums Start- Up vor. Nichtsdestotrotz hat jede Ausgabe ein eigenes Konzept, welches den Leser immer wieder überraschen, selbst ein Kunstwerk  ist und einen Mehrwertbringen soll.

Die Release-Partys

Zusätzlich feiern wir jede neue Ausgabe mit einer Release- Party. Wir laden alle Start- Ups der Ausgabe, Investoren und unsere Partner ein. So wie jede Ausgabe für den Leser eine Überraschung ist, so findet auch die Party jedes Mal in einer anderen, speziellen Location statt.

Welche Start- Ups sind zur Zeit die vielversprechendsten?

Eine sehr schwierige Frage und wir wollen auch nicht unfair sein oder ein Unternehmen dem anderen gegenüber präferieren, da es hunderte von tollen Start- Ups in Berlin gibt, die wir in den letzten zwei Jahren kennenlernen und vorstellen durften. Was wir aber mit Sicherheit sagen können, ist, dass es kaum ein tolles Start- Up in Berlin gibt, welches noch nicht in irgendeiner Form im The Hundert erwähnt worden ist.

Was gefällt euch an der Startup-Kultur?

Die Start- Up Kultur ist sehr lebendig und vielseitig. Sie besteht aus einer Mischung aus Menschen unterschiedlicher Herkunft und jeden Alters- von den jungen, mutigen Studenten die ein Unicorn (= 1 Billion Dollar Unternehmen) gründen wollen, bis zu erfahrenen Managern die nach neuen Herausforderung in ihrem Leben suchen.

Was sie alle gemeinsam haben, ist das Verständnis für die Veränderungen der Zeit, in der wir leben – Innovation, Bruch von traditionellen Märkten, Digitalisierung. Sie zerstören den Status Quo und suchen neue, effizientere Lösungen für jeden Lebensaspekt. Es ist wunderbar mit anzusehen, wie schnell die Start- Ups darin sind, Dinge zu verwirklichen und wie leicht sie sich anpassen, wenn es um den Austausch von Strategien oder Merkmalen ihrer Produkte und Dienstleistungen geht. Sie beweisen, dass alles möglich ist und inspirieren andere ihre Träume zu verwirklichen. Auch wenn Misserfolg eines der Hauptcharaktersitiken des Ökosystems ist (statistisch müssen 9 von 10 Start- Ups wieder schließen), gibt es keine Scham in der Start- Up Kultur, weil du durch jeden Misserfolg an neuen Erfahrungen gewinnst und dadurch die Möglichkeit steigt, dass das nächste Start- Up Unternehmen erfolgreich sein wird.

Was sind die Vorteile von Berlin als Businessstandpunkt?

Berlin bietet alles, was Unternehmen brauchen. Es ist immer noch eine kostengünstige Stadt, vor allem wenn wir es mit Städten wie London vergleichen, wo die Miete und die täglichen Ausgaben wesentlich höher sind. Außerdem gibt es in Berlin eine breite Start- Up Infrastruktur, viele Co-Working Spaces, Workshops, Start- Up Events und vieles mehr. Das sind alles attraktive Seiten der Stadt, gerade für die, die hierher ziehen wollen und im Start- Up Feld tätig sein wollen. Investoren sind von daher auch sehr an der Stadt interessiert. Außerdem ist Berlin eine coole und spannende Stadt, in der man sehr gerne lebt.

Was für Gründerprogramme und Quellen für Investoren kennt und mögt ihr in Berlin?

Vielleicht hört sich das ein wenig komisch an, aber es gibt wirklich eine ganze Menge Geld, welches in Berlin darauf wartet investiert zu werden. Es gibt eine große Menge an aktiven Business Engeln, Kapitalfonds, Beschleuniger- Programmen, Wettbewerben usw. Viele traditionelle Unternehmen wie Deutsche Bahn, Bayer, Telekom und Metro haben verstanden, wie wichtig die Kooperation zwischen älteren Industriezweigen und den Start- Ups von Heute sind und so haben sie Fonds und Programme zur Unterstützung jungerer Unternehmen organisiert.

Was könnt ihr Jemanden empfehlen, der sein eigenes Business in Berlin starten möchte?

Hört auf zu „wollen“ sondern fangt an was zu „machen“. Aber investiert nicht euer gesamtes Geld nur in die Idee! Fangt an mit Menschen zu diskutieren, erfindet Prototypen, führt Tests durch und lernt mehr über den Markt, dem ihr beitreten wollt. Werdet Experten in diesem Feld, um sicher zu sein, dass ihr wirklich wisst, was ihr da tut. Geht zu Veranstaltungen und nutzt eure Kontakte – es gibt viele Menschen, die euch gerne helfen wollen und euch mit denen vernetzen, mit denen ihr Kontakt aufnehmen solltet.

Während dieses Lernprozesses werdet ihr vielleicht euer Konzept ändern oder kommt auf eine ganz neue Idee. Das ist normal! Eine wichtige Regel in der Start-Up Szene ist, dass eine Idee nichts wert ist. Der entscheidene Teil ist das Team hinter dem Projekt, welches kompetent und leidenschaftlich sein muss. Investoren inverstieren in Menschen, nicht in Ideen. Fokussiert euch so schnell es geht darauf, ein Team zu bilden und stellt sicher, dass sie miteinander auskommen. Ihr werdet das Gefühl haben, dass ihr zusammen alles erreichen könnt- sei es eine App  oder ein neues Restaurant Konzept. Mit einem tollen Team, kommt die Idee früher oder später wie von alleine. Und wenn ihr hart arbeitet und euer Projekt finanziel einen Sinn macht, können die Investoren kommen.

Wenn ihr den nächsten Schritt wagt und euer Start-Up wächst, dann meldet euch bei uns. Wer weiß, vielleicht seid ihr eins von den hundert Start-Ups in unserer nächsten Ausgabe?

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Olga
by
on Oktober 23rd, 2015
updated on Oktober 26th, 2015
in Leute, Stories