Fotos: Jeisson Martin

Ich erinnere mich noch immer an die Straßen von Istanbul. Besser gesagt, an deren Geruch. Wenn ich an die Stadt denke, denke ich an den Staub, der in den Straßen wirbelt. Sich vermischt mit den verschiedenen Düften des Essen, das in den Gassen gekocht wird. Der Staub trägt das Leben der Menschen durch die Wege, wird in der Sonne gebraten, in der Nacht abgekühlt. Ich erinnere mich an den Geruch von Apfeltee, der die Stadt flutet, ich erinnere mich an das Meer. Wenn ich an Berlin denke, rieche ich einen Abend, einen Sonnenuntergang, etwas Beton. Ich denke an die tausend Möglcihkeiten, die durch die Straße tanzen. Ich rieche Lichter, fühle Musik. Ein Geruch kann Gefahr vorhersagen, ein Duft kann Zuhause bedeuten, ein Parfum kann ein Versprechen sein.

Der Duft einer Stadt ist quasi der emotionale Fingerabdruck Die Identität und Ankündigung von Ereignissen. Wie warm die Stadt um dich herum riecht, wie kalt die Nacht sein kann. Wie streng ein bestimmter Bezirk riecht, wie weich ein See. Kreuzberg riecht anders als Zehlendorf, Mitte hat einen anderen Duft als Neukölln. Ohne hier total Grenouille zu werden: Düfte sind die Textur, aus denen Erinnerungen gemacht sind.

Vielleicht hat auch deshalb der österreichische Künstler Wolfgang Georgsdorf die Geruchsorgel „Smeller 2.0“ gebaut. Diese stellt er nun in der kommenden Ausstellung  Osmodrama aus. In der Ausstellung kann ein Theaterstück oder Film mittels verschiedener Düfte, die aus der Orgel strömen unterstützt und erzählt werden. Georgsdorf möchte damit eine neue Kunstrichtung eröffnen, das olfaktorische Storytelling. Die Eröffnung der Oslodrama-Ausstellung ist am 15. Juli und du wirst die Ausstellung bis zum 18. September riechen können.

Es ist immer interessant, zu hören was verschiedene Gerüche verschiedenen Menschen bedeuten. Welche Details in ihrem Leben eine übergeordnete Rolle spielen. Welche Faktoren ihre Welt beschreiben. Wie würdest du den Duft deiner Stadt beschreiben? Wie würdest du sagen, riecht Berlin?

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Yasmin
by
on Juli 15th, 2016
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