Da es heutzutage Dank der vielen Ablenkung und dem bekannten Leistungsdruck schwer genug ist sein Leben im Griff zu haben und mit dieser schnelllebigen digitalen Gesellschaft Schritt zu halten, ist es ein Leichtes zu vergessen, den Fokus mal von einem selbst zu nehmen und auf andere zu richten. In dem Sinne sagte ein alter Freund meiner Eltern neulich zu mir: „Du solltest echt deine Mutter nach deiner Kindheit und auch nach ihrer Kindheit fragen. Wenn sie einmal nicht mehr da ist, sind all diese Geschichten verloren. Ich habe heute niemanden mehr, den ich danach fragen könnte.“ Eine harte aber wahre Feststellung, die ich ehrlich gesagt nie zuvor in Betracht gezogen hatte. Wir sollten die Kindheitserinnerungen unserer Eltern und Großeltern bewahren, damit wir nicht eines Tages ohne Vergangenheit dastehen.

Genau dieser Gedanke hat den Pädagogen Johannes Zillhardt bewegt, als seine 80-jährige Nachbarin Waldtraud Gasche jede Gelegenheit nutzen zu schien, sich mit Johannes zu unterhalten. Natürlich immer nur, weil „der Fernseher nicht funktioniert“ oder „die Heizung seltsame Geräusche macht“. In Wirklichkeit aber war alles, was sie wollte, jemandem von ihrer Kindheit zu erzählen. Diese innige Verbindung lies die Idee entstehen, Menschen jeden Alters aus Berlin zu treffen und die Geschichten ihrer Kindheit aufzuschreiben, um diese am Leben zu erhalten.

 

Mit diesem Gedanken war Johannes Blog Berliner Kindheiten geboren, auf denen er immer wieder tolle Videointerviews hochlädt, die Menschen zeigen, die ihm über ihre Kindheit in Berlin erzählen. Die Kernidee des Projekts war nicht die digitale Veröffentlichung der Interviews, sondern um die Geschichten ein dickes Buch zu gestalten, um die Erinnerungen zu bewahren und seinen Lesern von einem Berlin zu erzählen, das in seinen Details und Unterschieden zu heute längst vergessen ist. Während der Blog mit jedem Interview populärer wird, ist das Buch ein Projekt für die Zukunft, das Johannes bald verwirklichen will.

 

 

Seit der Blog online ging hat Johannes über 500 E-Mails erhalten, in denen Menschen darum baten, ein Teil des Projekts zu werden. Er interviewte bisher Menschen jeden Alters. Der Älteste wurde 1920 geboren, der Jüngste im Jahr 2005. Der Hintergrund der Interviewten ist so vielseitig wie ihre Geschichten, in denen sie davon sprechen wie es war, das Ende des Krieges als Kind zu erleben oder den Mauerbau und den Fall dieser. Ihre Gefühle gegenüber der Teilung und auch wie es war, die Love Parade zum ersten Mal erlebt zu haben.

Letztlich verwirklicht Johannes mit seiner Idee nicht nur seinen Traum von einem Buch über die gesammelten Kindheitserinnerungen der Berliner, sondern trägt auch dazu bei, ihre Geschichten für die kommenden Generationen zu bewahren.

 

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