Berlin wurde im laufe der Jahre schon mit so manchen Beschuldigungen behaftet: Es sei abgewrackt und doch magisch, hat ein verdorbenes Gemüt, ist unverschämt unfreundlich, die Szenenhure an sich und lässt einen dabei nie wirklich teil haben, wo die „Szene“ eigentlich ist. Sie sagen, Berlin gibt einem die Freiheit zu sein, wer man sein will. Eine offenherzige Stadt, die, hat sie dich einmal in ihrem Griff, dich nur schwer wieder aus ihrer liebevollen, übel riechenden Umarmung frei gibt. Also fragen wir uns – jetzt wirklich – wie erlebst du Berlin?

Ja, du!

Anstatt all unsere treuen Leser über einen Kamm zu scheren, in dem wir hier und da mal einen Kommentar über eure Berlin-Erfahrung aufschnappen, sind wir mal direkt auf die Straße gegangen um von Auge zu Auge und Herz zu Herz mit euch über Berlin zu reden und stellten euch die Frage:

Wie erlebst du Berlin?

Momo ist waschechte Berlinerin und in Kreuzberg geboren:

„Ich bin in Berlin geboren und aufgewachsen. Ich würde sagen, das ist auch der Grund, warum ich hier erstmal bleibe. Es ist leicht anders zu sein. Man kann in Berlin alles machen, das ist sicher. Hier herrscht eine erstaunliche Atmosphäre. Hier ist es einfach anders zu sein. Aber Berlin verändert sich momentan sehr, schau dir die Gentrifizierung an. Ich denke, wir brauchen Politiker, die sich wirklich um die Stadt und ihre Entwicklung kümmert. Ich bin in Kreuzberg aufgewachsen. Es ist traurig zu sehen, dass viele meiner Freunde es sich nicht leisten können, zu leben, wo ich geboren wurde.

Die Berliner Erfahrung für mich: Du gehst mit ein oder zwei Freunden aus, trinkst ein Bier auf der Admiralsbrücke, dann begegnet dir ein anderer Freund, der wiederum seine Freunde herruft, und plötzlich seid ihr diese große Gruppe von Menschen. Dann zieht ihr weiter zum Späti, trinkt mehr Bier und geht danach noch woanders hin. Ja das ist meine Berliner Erfahrung ..“

oo

Nico ist 19 Jahre alt, wurde in Berlin geboren und arbeitet als Fotograf. Sein Freund Tobi plant hierher zu ziehen, um Film zu studieren und sucht derzeit nach einer Bleibe: 

Nico: „Vor allem die Tatsache, dass ich keine Miete zahlen muss, da ich zuhause leben kann. Aber es ist eigentlich dieser Berlin Vibe. Berlin ist offen, ist multikulturell – es ist super offen für jeden! Du kannst alles erreichen, was du dir wünscht. Besonders ist auch seine internationalität. Stell dir Berlin nur mit Deutschen vor – super langweilig!“

Tobi: „Ich denke, Berlin braucht Wohnungen, die sich Auszubildende und Studenten leisten können. Viele junge Menschen können nicht teuer in Wohnungen investieren, daher sollten erschwinglichere Wohnungen zur Verfügung gestellt werden! Vor allem, wenn du dein ganzes Leben in einer kleinen Stadt gelebt hast, kommt dir Berlin wirklich wie ein Paradies vor.“

 

Yola lebt und liebt Berlin nun seit 3 Jahren. Sie ist 21 und arbeitet als Video-Editorin: 

„Ich bin hierher gekommen, um Film zu studieren, aber möchte jetzt den Kurs wechseln. Die Uni hat mich hierher gebracht. Andererseits habe ich die Stadt auf vielerlei Weise erlebt. Sie ist wirklich warm und menschlich, das ist was mich hier hält. Sie hat mich dazu gebracht meine eigene Kultur zu überdenken. Ich habe gelernt menschlicher und einfühlsamer mit den Leuten umzugehen.“

 

Seyeon G-Sim Kim ist ein in Korea geborener Maler und Tattoo-Künstler:

„Berlin ist wie keine andere Stadt. Du musst hier gewesen sein, um sie zu kennen. Ich habe Berlin ein paar mal besucht, bevor ich hierher gezogen bin. Einmal hat mich mein Freund mit ins Berghain genommen. Als ich das erste Mal dort war, dachte ich nur … What the ?! Berlin bleibt dir einfach im Gedächtnis. Ich war gerade in Korea, als ich dachte: Berlin, oh, ja.. da will ich hin!“ Als ich hierher zog eröffnete ich ein Tattoo-Studio und eine Galerie. Ich denke es sind die Menschen, die Berlin verändern.“

oo

Stephanie ist jetzt in der letzten Phase ihres Psychologie Masters und lebt seit nun schon 5 Jahren in Berlin:

„Die Suche nach dem, was ich in meiner Zukunft machen möchte und die Vielfalt, die man in Berlin findet, bewegen mich dazu hier zu bleiben. Vor allem in der Food-Szene! Auch seine Offenheit hält mich in Berlin. Aber ich merke, dass das nur eine vorübergehende Phase ist, ich weiß nicht, wie lange ich in Berlin bleiben werde. Ich erinner mich, als ich 2003 zum ersten mal herkam sagten man mir: „Geh nicht nach Kreuzberg! (Da ist es gefährlich!). Das hat sich verändert. Gentrifizierung nennt man das. Ich glaube die „Berlin experience“ ist vorbei. Nach New York, in den 80er Jahren, wurde Berlin zum nächsten Hotspot der Kunstszene. Aber Kunstschaffende können sich hier keine Mietwohnungen mehr leisten, also gehen sie woanders hin. Was also meine Berlin Erfahrung in der Vergangenheit war, wird für Jeden jetzt anders sein. “

oo


Alice ist vor 2 Jahren nach Berlin gezogen. Sie arbeitet jetzt als Physiotherapeutin und möchte noch ein oder zwei Jahre hier bleiben:
„Ich bin hierher gekommen um Physiotherapie zu studieren. Ich bleibe aber noch ein Jahr, weil ich Berlin so liebe! Seine Internationalität und all diese Dinge, die du tun kannst – es ist wie Disneyland! Berlin hat seine eigene Kultur. Es hat mein Leben verändert! Ich denke, Berlin ist wie eine Reise um die Welt in einer einzigen Stadt. Du triffst so viele Leute.. es ist eine gute Erfahrung. “

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