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Wohnen in Berlin ist unverschämt teuer geworden und passt so gar nicht zu dem antikapitalistischen Flair, den viele seiner Bewohner ausstrahlen. Tatsächlich sind die Mieten in Berlin in den letzten 5 Jahren um fast das Doppelte gestiegen. Je öfter ich mit Freunden über die Lage spreche, desto mehr gewöhne ich mich jedoch erschreckender Weise an die Situation: Eine frisch zugezogene Bekannte berichtete mir neulich, sie zahlt in der Sonnenallee für 35m2 ganze 920€ – das sind über 25€ pro m2! Angeblich luxussaniert und mit schicker Einbauküche versehen. Das sei heute normal – illegal ist es trotzdem.

Genauso illegal sind oft auch schon Mieten jenseit von 10€ pro Quadratmeter. Denn damit die Mieten nicht weiter steigen, hat die Regierung schon vor über drei Jahren ein Gesetz erlassen, die Mietpreisbremse. Nur warum nutzt sie kaum einer? Warum steigen die Mieten immer weiter? Wir wollen euch zeigen, wie ihr mit der Mietpreisbremse eure Miete senken könnt. Dafür haben wir mit dem Online-Portal wenigermiete.de drei Möglichkeiten analysiert, wie ihr das Gesetz nutzen könnt: über das Start-up selbst, per Anwalt oder über einen Mietverein.

 

Warum die Mieten steigen, obwohl es ein Gesetz dagegen gibt

 

Die Mietpreiserhöhung ist für viele ein emotionales und frustrierendes Thema. Nicht ohne Grund fragen wir uns: wann wird die Explosion der Mieten endlich aufhören?  Aber nicht nur hungrige Investoren auch die Politik trägt Verantwortung dafür: Statt sozialen Wohnungsbau zu fördern sollte ein Gesetz die Mieten drücken: Die Mietpreisbremse sagt, dass alle Mietverträge, die nach Sommer 2015 geschlossen wurden, nicht wesentlich mehr Miete haben dürfen, als in der direkten Nachbarschaft. Das Problem daran, kaum einer weiß, dass es das Gesetz gibt und wie man es nutzt. Und wer selbst wer gut informiert ist, scheut sich vielleicht davor, gegen den eigenen Vermieter vorzugehen. Die Vermieter wiederum nutzen diese Situation schamlos aus:  Eine Studie fand heraus, dass 58% aller neuen Mietverträge eine illegal hohe Miete haben. Das bedeutet, jeder zweite von Euch, der in den letzten Jahren umgezogen ist, könnte seine Miete senken.

Foto: Dmitri Popov 

 

Wie Caleb seine Miete von 552€ auf 437€ gesenkt hat

 

Dass es dennoch möglich ist, die Miete mit dem Gesetz zu senken zeigt das Beispiel von Caleb., Er hat seine Miete um über 20% gesenkt oder 115€ pro Monat. Caleb kam aus Hawaii nach Berlin, um in der Flüchtlingskrise zu helfen. Bei einem Gespräch mit einem Nachbarn im Hausflur stellte er zufällig fest,  dass viele seiner Hausbewohner die Hälfte weniger Miete zahlen als er. “Ich hab dann gegoogled, ob man irgendetwas dagegen machen kann und kam irgendwann auf die Seite von wenigermiete.de,” erzählt Caleb “erst dachte ich das wäre eine Abzocke. Dann hab ich dort ein paar mal angerufen, bis der Gründer selbst am Telefon war.”

Der Gründer,  selbst Anwalt, hat ihm erklärt, warum Mieter nicht einfach aus der Bude geworfen werden können, wenn sie die Mietpreisbremse ziehen. “Viele Vermieter wissen ja, dass sie das Unrecht begehen, und nicht der Mieter. Wenn man sich professionellen Rechtsbeistand holt, dann reagieren die Vermieter schnell ganz anders,” sagt Caleb heute.

 

Caleb und seine Freundin

 

Das Startup ist kein Sozialverein

Auch dass der Service damit wirbt, dass es “kein Kostenrisiko” gibt, und der Mieter nichts zahlen muss, machte Caleb misstrauisch. “Ich habe erst hinterher verstanden, wie deren Geschäftsmodell funktioniert.”  Denn hinter wenigermiete.de steckt natürlich kein Sozialverein sondern ein kommerzielles Unternehmen.    

Das Startup arbeitet ähnlich wie die Fluggastrechtportale (z.B. Airhelp oder Flightright.) Es zwackt sich einen Teil von dem ab, was es für seine Kunden herausgeholt hat. “Um genau zu sein, nehmen sie viermal den Betrag, den sie heruntergehandelt haben. Bei mir waren es also 4×115€”. Allerdings wird der Betrag direkt vom Vermieter an wenigermiete.de überwiesen. Denn mit der monatlichen Miete, sinkt auch die Kaution. Der Mieter hat also auf einmal Guthaben beim Vermieter, und das geht dann direkt an das Online-Portal. Und weil der Mieter nichts selbst zahlt, muss er auch keine Kontoverbindung auf der Website mit angeben

 

 

Welche Alternativen gibt es?

 

Falls ihr euch betroffen fühlt und an der Rechtmäßigkeit der vereinbarten Miete zweifelt, könnt ihr euch nicht nur an wenigermiete.de wenden, ihr könntet auch zu einem Mietverein oder einen Anwalt. Der Anwalt hat natürlich den Nachteil, dass jede Beratungsstunde kostet, bis zu 190€ darf ein Anwalt für eine Erstberatung berechnen. Wer von euch eine Rechtschutzversicherung mit dem Zusatzbaustein “Mietrecht” hat, für den ist das eine mögliche Option. Bei den meisten Rechtsschutzversicherungen gibt es jedoch eine Selbstbeteiligung von mindestens 150€. Zu bedenken ist außerdem, dass das Startup auf die Mietpreisbremse und die Abwehr von Mieterhöhungen spezialisiert ist und über die Kommission einen großen Anreiz hat, das meiste herauszuholen.  

Auch der Mietverein leistet großartige Arbeit in Sachen Aufklärung und Informationen. Das Prinzip ist dort zunächst Hilfe zur Selbsthilfe: Sofern ihr dort Mitglied seid, wird  der Verein Euch unterstützen, die Mietpreisbremse selbst durchzuführen. Dafür werdet ihr vor Ort persönlich beraten, auch wenn dies zur Not mehrere Termine kostet (Mietverein). Wenn der Vermieter nicht auf Eure Schreiben reagiert, kann Euch der Mietverein an einen Anwalt vermitteln, der für Euch die gerichtliche Klage übernimmt. Dafür wird eigentlich  eine Selbstbeteiligung von 150€ fällig, unabhängig davon, ob er die Miete für Euch senken kann oder nicht. Allerdings haben wir gehört, dass der Berliner Mietverein kulanter Weise die Selbstbeteiligung oft mitfinanziert.

Warum wir jetzt aktiv werden müssen

 

Wenn es rein um die Gesetzgebung geht, ist Berlin also doch immer noch recht antikapitalistisch: So ein Gesetz wie die Mietpreisbremse, so einen krass regulierten Markt, gibt es sonst kaum anderswo im Ausland. Genauso erstaunlich ist allerdings, wie skrupellos Vermieter gegen die Gesetze verstoßen: Einerseits bei Rot vor der Ampel stehen bleiben (zumindest in Mitte und Prenzlauer Berg). Andererseits keinerlei Scham haben, als Immobilieneigentümer systematisch Mieter widerrechtlich auszunehmen.


Es gibt auch noch einen anderen Grund, jetzt per Mietpreisbremse die Miete zu senken. Die Miete kann nicht rückwirkend, sondern erst ab dem Zeitpunkt gesenkt werden, ab dem sie beanstandet wird. Außerdem wirken sich Mietsenkungen auch dämpfend auf den Mietspiegel und den ganzen Markt aus. Wenn ihr aus Eurer Wohnung wieder auszieht, ohne die Miete gesenkt zu haben, dann wird der Vermieter bei eurem Nachmieter sicherlich noch weiter erhöhen. Wenn ihr aber jetzt eure Miete senkt, setzt ihr ein Zeichen und auch euer Nachmieter wird mit hoher Wahrscheinlichkeit davon profitieren. Vor allem wenn die Mietpreisbremse verlängert wird, und dann auch für Mietverträge gilt, die nach 2020 geschlossen werden. Und danach sieht es aktuell aus.

Foto: Jelle van Leest

Für diesen Artikel haben wir mit dem Team von wenigermiete.de zusammengearbeitet. Wenn ihr eine Frage zum Service habt, schickt uns eine E-Mail und wir leiten sie an das wenigermiete.de-Team weiter: hey@iheartberlin.de.

* Dieser Artikel enthält Affiliate-Links.

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Franziska
by
on Februar 15th, 2019
updated on April 18th, 2019
in Stories