Mit seinem geheimnisvollen Namen, dem berghain-ähnlichen „Nein“ an der Tür und den vollständig mit Gardinen verkleideten Fenstern will das neue Feinschmeckerrestaurant „The Noname“ in Mitte durchaus Neugierde wecken. Beim Betreten durch die raumhohen weißen Vorhänge fühlt es sich an, als würde man ein gut gehütetes Geheimnis enthüllen – eines, das direkt vor den Augen der Besucher auf der belebten Oranienburger Straße an der Vorderseite der Heckmannhöfe liegt.

Die mit Plissee verkleideten Wände, die luxuriöse Kronenleiste, die antike Bar und die Kronleuchter setzen ein Highlight in Szene, das das bereits erwähnte Interieur kontrastiert: Ein Wandbild einer Frau, die in Bondage-Seilen gefesselt ist, die sich in einer Installation aus echten Seilen in den Raum erstrecken. Es ist ein gewagtes Bild für ein feines Restaurant mit einem erwarteten gehobenen Publikum – aber eines, das sowohl für die Nachbarschaft als auch für die allgemeine Tendenz Berlins zum Verruchten sehr passend ist.

 

 

 

Aber der Kink endet nicht damit, denn das folgende Essen verspricht mehr als einen Höhepunkt für eure Gaumen bringen. Da ich bei meinem ersten Besuch von hochkarätigen Gastro-Kritikern umgeben bin, traue ich mich fast nicht meine eigene Begeisterung über dieses kulinarische Spektakel auszudrücken. Doch jedes Gericht wird nach und nach so von Lob überhäuft, das nicht nur mir klar wird: Das könnte sehr wohl das interessanteste, überraschendste und anregendste kulinarische Erlebnis sein, das Berlin derzeit zu bieten hat.

Jeder einzelne der 8 Gänge ist ein Highlight, sowohl optisch als auch geschmacklich. Chefkoch David Kikillus ist nicht ohne Grund ein Michelin-Sterne-Koch. Freut euch auf Cannelloni, Macarons, Austern, Langostino, Taube, Tartar, Baiser und Eiscreme – aber alles in einer Weise, die ihr wahrscheinlich noch nie zuvor erlebt habt. Überraschend für mich ist der Kamillen-Baiser mit Estragon-Sorbet. Es klingt nach nichts, was du dir jemals einfallen lassen würdest, aber der Geschmack ist ein ganz eigenes Erlebnis.

 

  

 

 

Neben dem Hauptmenü sind auch die umliegenden Details ebenfalls exzellent, wie zum Beispiel das Sauerteigbrot und die alkoholfreie Getränkebegleitung (eine Option zur ebenfalls makellosen Weinbegleitung von Sommelier Steve Hartzsch). Auch der Gang zur Toilette wird sich eher wie ein Besuch einer angesagten Kunstgalerie anfühlen.

Nach all diesen fantastischen kulinarischen Experimenten könntet ihr genauso sprachlos sein wie ich am Anfang – sehr passend irgendwie dieses „Noname“. Aber wenn die Bondage-Lady an der Wand anfängt, ihre kleine Show zu machen, wird einem sicherlich zumindest ein Wort in den Sinn kommen: Wow.

 

  

 

The Noname, Oranienburger Straße 32, 10117 Berlin-Mitte

Geöffnet Di-Sa 18:00 – 23:30 Uhr, Tel.: +49 30 288 777 88

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Frank
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on Juni 12th, 2019
in Mitte, Restaurants