
Zunächst wollte ich ja gar nicht hin, in den Tresor. Wie sollte man sich denn fühlen, einen Club zu besuchen, der die Teenie – Zeit mitgeprägt hat, in dem man sich die Nächte um die Ohren gehauen hat als man noch aberwitzige Träume hatte und dachte, die Welt sei ein unendliches Mysterium, darauf wartend, das man es höchstpersönlich erkundet. Was sollte dabei heraus kommen, habe ich mich gefragt, da man doch bereits im alten Tresor nicht mehr vorbei geschaut hat, weil man selbst eigenartig anders zu sein schien als das gleichartig anmutende Publikum, das sich langsam aber sicher dort ansiedelte. Wo waren die toleranten Tresor-Besucher früherer Zeiten, Zeiten, in denen Individualität positiv aufgenommen wurde? Oder hatte ich mich einfach geändert? Ich habe es nie herausgefunden und mich Jahre später dann erfolgreich vor der Eröffnung gedrückt. Nun ergab sich aber letztens, dass Regisseurs – Tochter und Jungtalent Helene Hegemann ihr Buch “Axolotl Roadkill” vorstellte. Mehr von diesem Abend und Fotos nach dem Jump:
Mit Helene, der Freundin einer Freundin, hatte ich letzten Sommer einen netten Abend bei einem Essen verbracht und war daher neugierig auf die unter großem Tamtam angekündigte Lesung. Es kommt schließlich auch nur alle paar Jahre vor, dass ein solch junger Mensch (mit 16 hat sie ihn geschrieben) einen Bestseller landet. Der Tresor eignete sich für eine Lesung nicht unbedingt, das mussten auch die gefühlten 2000 übrigen Gäste gedacht haben, die leider, wie ich, rein gar nichts von der schönen Stimme des Lenchens hören konnten, außer man hatte sich an der Front positioniert. Einige junge Gäste widmeten sich daher den Helium-Ballons in Herzform, mit denen der kühle Tresor geschmückt worden war und die sich bei Inhalation hervorragend zur Stimmenmanipulation eignen. Man kann dann zum Beispiel anonyme Anrufe tätigen, wenn man das möchte. Nach der Lesung gab es eine After-Party mit den Sick Girls, Dj Engtanzkavalier und einer Deutschen Schauspielerin am Mischpult, after Lesung sozusagen. Ich nutzte die Zeit um durch den Tresor zu wandeln, gigantisch dieses Tresor-Dings. Warum nur alle ins Berghain rennen, frage ich mich, das hier ist besser! Und plötzlich, wie befürchtet, überfiel mich die Melancholie, ausgelöst durch den altbekannten muffigen Geruch der Gänge, Teile des einstigen Interieurs, ja wegen der Toiletten, die mit Wandkritzeleien übersäht sind, genau wie damals noch als ich den Namen meiner Jugendliebe an das Gemäuer malte und mich Monat für Monat vergewisserte, dass er noch da war. Der Name meine ich. Später am Abend wurde der Tresor dann vom üblichen Publikum eingenommen – Zeit für mich, zu gehen. Schöne Zeiten kommen eben nicht einfach zurück, was bleibt, sind die Erinnerungen..wundervolle Erinnerungen an wundervolle Zeiten. Ähm ja, das Buch. Nun, Axolotl Roadkill habe ich, zu meiner Schande, leider noch nicht gelesen, was der Titel bedeutet, ich weiß es nicht. Ein Axolotl ist aber wohl ein Tier, soviel habe ich mitbekommen! Sex im Berghain und dergleichen gibt es auch in dem Buch! Also diese jungen Intellektuellen, tss.
[flickrset id=”72157623503697834″ thumbnail=”medium”]
