Sex, Drugs und Geldgier: The Wolf of Wall Street

„Verkaufen Sie mir diesen Stift!“ fordert Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio) das Publikum seines Verkaufsseminars auf. Leere Gesichter blicken Ihn und das Kinopublikum von der Leinwand aus an. Sie alle wollen reich werden, sie alle wollen jenes Leben leben, welches Jordan Belfort hinter sich hat. Das Publikum von Belfort blickt hoffnungsvoll in die Kamera und spiegelt das Kinopublikum, welches nach amüsanten 3 Stunden Kino die richtige Antwort zur Aufgabe kennt. Es bleibt aber die Frage, ob man diese eigentlich kennen will…

Jordan Belfort ist ein geldgeiler Egomane. Diese Beschreibung ist keine Übertreibung, sondern eine recht akkurate Beschreibung. Regisseur Martin Scorsese hat seine Zuschauer schon des öfteren in die Psychologie und das Leben des Bösen eintauchen lassen, so zum Beispiel in Taxi Driver und Gangs of New York. Und ebenso wie diese Klassiker ist The Wolf of Wall Street amüsant, unterhaltsam und charmant. Jedoch findet sich in den 3 Stunden kaum eine wirklich humane Emotion. Jordan Belfort lebt auf der Überholspur, wird reich indem er die Mittelklasse betrügt, wechselt die Ehefrau, bekommt Kinder, nimmt Drogen, schläft mit Prostituierten, gibt seine Karriere auf, landet im Gefängnis und doch erfahren wir in keiner Sekunde des Films was dabei wirklich in ihm vorgeht. Der Film bleibt an der Oberfläche, verliert sich in Anekdoten und Skurrilem.

So verlasse ich nach den genannten drei Stunden den Kinosaal unsicher: empfindet jeder diesen Ekel gegenüber diesen geldgeilen Figuren und funktioniert der Film genau so oder funktioniert die Katharsis die ich selbst erlebe nicht bei jedem?

Wahrscheinlich ist es bei jedem anders und immer abhängig von der Stimmung. Aber ganz Abgesehen von der Frage nach Moral muss man Scorsese und seinen großartigen Schauspielern  eines lassen: 3 Stunden Entertainment schafft nicht jeder.

Read this article in English.

<a href="https://www.iheartberlin.de/de/author/lia/" target="_self">Lia</a>

Lia

Author