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Zuerst wirkt sie stark. Ziemlich grob sogar, könnte man sagen. Mit ihren kaputten Bürgersteigen, harten Konturen und dem lauten Auftreten. Sie verströmt Selbstbewusstsein, ist grausam ehrlich zu dir, gibt dir ungefragt ihre Meinung. Sie verschont dich nicht. Von Zeit zu Zeit musst du sogar eine Ohrfeige einstecken. Meint sie nicht so.
An manchen Tagen jedoch, an besonderen Tagen, kannst du die andere Seite der Stadt sehen, die sich unter dem vorlauten Lärm versteckt. Wenn sich der Nebel verzieht, wenn du sie kurz allein erwischst, zeigt die Stadt ein anderes Gesicht. Und du entdeckst: Berlin ist zerbrechlich.
Zerbrechlich, weich, sensibel – auch wenn sie versucht es zu verstecken. Unter all dem steinharten Beton-Make-up: Zartheit, die sich nicht leugnen lässt. In ihren ruhigen Momenten, wenn der Verkehr mal langsam ist und die Menschen entschleunigen, zeigt sich die Brüchigkeit der Stadt. Mal kurz nicht stark sein müssen, das Vorlaute mal beiseite.
Die ätherische Seite der Stadt lässt dich über deine eigene Hülle nachdenken. Diese Beton-Hülle, die wir alle auf dem Rücken tragen und nur für ein paar handverlesene Menschen fallen lassen.
Heute ist sie gefallen. In ihr eingeschrieben: Weiche Worte, die nach Liebe fragen.

