Cult Mother: Tarot, Berlin und Alkoholabstinenz

Cult Mother: Tarot, Berlin und Alkoholabstinenz

Fotos: Roger Sabaté. 

Hannah Joy Graves hat eine magnetische Präsenz, die ich zum ersten Mal registriert habe, als ich zu einem Tätowierungstermin im AKA auftauchte, einem Neuköllner Studio, das sie damals leitete. Da Berlin mehr ein Dorf ist, als die Stadtkarte vermuten lässt, kreuzten sich unsere Wege erneut, als ich herausfand, dass Hannah, als sie sich der Welt als Cult Mother vorstellte, begann, Tarot-Lesungen anzubieten – eine Praxis, die aktuell nicht relevanter sein könnte, da die Realität immer unsicherer wird. Wie die Cult Mother es ausdrückte: “Die Menschen fühlen sich unverbunden und desorientiert und entdecken, dass Tarot ein großartiges Mittel ist, um sich in der Verwirrung und Unsicherheit zurechtzufinden.

Aber in diesem Interview geht es um mehr als nur um Karten. Hannah erzählte uns, wie sie ihren Weg in die Spiritualität gefunden hat, wie sie sich Tarot als Teil des Berliner Nachtlebens vorstellt und warum die Stadt sie auch nach ihrer Abkehr vom Alkohol weiterhin inspiriert.

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Arbeitslos in Berlin und Trotzdem Unermüdlich

Arbeitslos in Berlin und Trotzdem Unermüdlich

Fotos: Roger Sabaté. 

Schließe für eine Sekunde die Augen.
Stelle dir einen 28-Jährigen vor, die gerade nach Berlin gezogen ist. Sie lebte vor einiger Zeit hier, konnte aber keine richtige Arbeit finden und kehrte in ihr Herkunftsland zurück. Sie hat sich versprochen, dass sie eines Tages zurückkehren und die Stadt erobern wird.
Fünf Jahre später ist sie wieder hier, diesmal nicht als Putzfrau, sondern als Projektmanagerin. Sie fühlt sich gegen jede Arbeitsmarktkrise immun, sie hat einen starken Spielplan und etwas Geld, das sie ausgeben kann. Neue Schuhe? Aber sicher! Jedes Wochenende eine Techno-Party? Bam! Die ganze Woche auswärts essen? Kein Problem!

Jetzt eine Minute Pause. Oder vielleicht für immer pausieren. Kannst du das? Kannst du es für mich für immer pausieren, bitte? Denn was jetzt kommt, ist die berüchtigte “Contagion”-Nachstellung, die all meine Träume und Hoffnungen weggespült hat. Ja, dieser unvorsichtige Erwachsene war ich, der so sehr in meinen kapitalistischen Privilegien feststeckte, dass die Entlassung meine Welt völlig zermalmt hat.

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 Berlin Ausländer Memes: Die brutale Wahrheit des Expat-Lebens in Berlin

 Berlin Ausländer Memes: Die brutale Wahrheit des Expat-Lebens in Berlin

Ihr wisst, es ist das 21. Jahrhundert, in dem wenige Dinge einem so viel Zugehörigkeitsgefühl geben wie Memes. Das ist definitiv der Fall bei den Berlin Ausländer Memes – ein ironischer Gesellschaftskommentar, wie man ihn nicht besser nachempfinden kann.

Jeder kennt sie sicher schon: Der unfehlbare Humor der Berliner Ausländer Memes vereint praktisch alle Expats und verdient die Wertschätzung der Deutschen und sogar der Urberliner mit Selbstironie. Die Memes sind mit ihrer eklektischen Ästhetik mit Spice Girls und Stockphotos nicht zu übersehen. Irgendwann bringen sie einen zum Lachen, aber erst, wenn sie einen brutal mit der unglamourösen Realität des Expatlebens konfrontieren.

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In Gedenken an das 75. Jubiläum der Befreiung von den Nazis

In Gedenken an das 75. Jubiläum der Befreiung von den Nazis

Fotos: Roger Sabaté. 

Der diesjährige 75. Jahrestag der Befreiung vom Naziregime und das Ende des Zweiten Weltkriegs sollten eine große Sache sein, mit vielen Live-Veranstaltungen und Ausstellungen und was nicht alles.  Aufgrund der Pandemie musste ein Großteil des Programms geändert und in den digitalen Raum gebracht werden.  Es ist toll, dass dies überhaupt möglich war und dass sich die Kulturschaffenden so schnell anpassen konnten.  Aber natürlich fühlt es sich ziemlich antiklimaktisch an, dass der Höhepunkt der ganzen Feierlichkeiten nicht IRL stattfinden konnte.

Eine Sache, die in der realen Welt passiert ist, kam gestern Abend am späten Abend auf dem ziemlich leeren Pariser Platz ein wenig überraschend.  Ein Raum, der normalerweise auch nachts mit Menschen gefüllt ist, wurde für nur wenige Augen zum Anblick einer Projektion auf das Brandenburger Tor mit einer einfachen Botschaft: ein Dankeschön in den 4 Sprachen der Alliierten, die die Welt von den Nazis befreit haben.

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Ein Guide für ein Bisschen Nightlife Feeling in Zeiten von Corona

Ein Guide für ein Bisschen Nightlife Feeling in Zeiten von Corona

Illustrationen: Berk Karaoglu

Berlin ohne sein Nachtleben ist wie ein Bad ohne Seifenblasen. Mit anderen Worten: Das lassen wir uns nicht gefallen. Und da nächtliche Einrichtungen aller Art seit Wochen geschlossen sind, muss man einfach kreativ werden. Aber was könnt ihr noch tun, um dieses Partytier zu channeln, außer eure Dance Moves zu einem United We Stream DJ-Set zu perfektionieren? Nun, wir haben da ein paar Ideen…

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Ein niedlicher Werbespot offenbart die wahre Natur der Deutschen

Ein niedlicher Werbespot offenbart die wahre Natur der Deutschen

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Haben du dich jemals gefragt, warum den Deutschen ein gewisser Sinn für Humor fehlt? Für Humor braucht man Ironie und Übertreibung und beide Fähigkeiten sind nicht unbedingt in die deutsche DNA eingebrannt. Auch für ein paar komödiantische Effekte müssen ein paar Dinge, ab und zu ein bisschen schief gehen. Natürlich nicht katastrophal schief, wie zurzeit bei dieser Pandemie. Doch in jeder lustigen Geschichte gibt es eine richtige Menge an Missgeschicken, die eine Geschichte spannend machen.

Eines ist sicher: die Deutschen hassen es Probleme auf dem letzten Drücker zu lösen. Kein Wunder, dass sie eines der Länder mit den meisten Versicherungen und Sicherheitsmaßnahmen der Welt sind. Und diese Vorsicht macht die Deutschen sehr erfolgreich im Umgang mit großen Problemen. 

Die Berliner Werbeagentur Dojo hat diese Art des vorsichtigen Denkens in einer sehr niedlichen Fernsehwerbung nachgezeichnet. Ein Papa bringt sein Kind noch bei Tageslicht ins Bett (etwas typisch Deutsches) und liest ihm eine Gute-Nacht-Geschichte vor. Doch die Geschichte erweist sich als super langweilig, weil nichts Schlimmes passiert. Die Firma, die diese Anzeige bewirbt, ist der deutsche TÜV – eine Sicherheitszertifizierungs-Unternehmen, welches bereits seit 1866 existiert. Ihr Anspruch ist: Wir sind die langweiligste Firma der Welt. Und dieses bisschen Augenzwinkern, ist das wahre Kern des deutschen Humors. 

 

 

Kreative Masken für die Queere Sichtbarkeit

Kreative Masken für die Queere Sichtbarkeit

Da buchstäblich jede einzelne queere Bar, Club und Veranstaltungsort bis auf weiteres geschlossen ist und alle Pride-Paraden und anderen Queer-Festivals in diesem Jahr abgesagt wurden, sieht es im Moment mit der queeren Sichtbarkeit ziemlich düster aus. Aber alle Clubs und Bars sind geschlossen und Festivals abgesagt – was macht das für einen Unterschied, werdet ihr euch fragen. Natürlich hat jeder Raum des Nachtlebens und der Kultur seine Bedeutung – aber für die LGBTQ+ Community sind diese Orte und Veranstaltungen nicht nur zum Spaß und zum geselligen Beisammensein da, sondern sie sind Safe Spaces und wichtige Plattformen für Aktivismus und für den Kampf um Akzeptanz und Gleichberechtigung. Es gibt immer noch eine Menge Homophobie und Transphobie in der Welt, auch hier in Berlin. Queere Sichtbarkeit ist ein wichtiger Akt gegen diese scheußlichen Phobien – und dass Queers hinter verschlossenen Türen und hinter anonymen Masken in Quarantäne verschwinden, ist ein ziemlicher Rückschlag.

Die Sängerin, Redakteurin und Berlins einzige wirkliche Diva Kaey hat sich einen cleveren Plan ausgedacht, wie queere Sichtbarkeit in Zeiten von Corona auf kreative Weise fortgesetzt werden kann. Seit über einem Monat hat sie sich während der Quarantäne die Zeit genommen, Hunderte von bunten Gesichtsmasken mit Regenbögen, Pailletten und Tom of Finland-Drucken für die LGBTQ+ Community zu nähen. Auf diese Weise können wir jeden Tag out und proud sein, wenn wir uns an die neuen Maskenregeln in der Stadt halten.

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Die Pandemie stellt unsere Verbundenheit zu Berlin auf die Probe

Die Pandemie stellt unsere Verbundenheit zu Berlin auf die Probe

Fotos: Roger Sabaté. 

Wie zahllose andere Anfang März habe ich das Ausmaß der drohenden Pandemie sicher nicht erwartet. Aus Angst, dass sie meinen lang ersehnten Urlaub beeinträchtigen könnte, verdrängte ich sie so lange wie möglich. Aber die ominösen Nachrichten, die unaufhörlich Corona-Updates ausstrahlten, die mich bis nach San Francisco verfolgt hatten, erwiesen sich schließlich als verhängnisvoll, so dass ich schließlich einen Notflug zurück nach Berlin buchte.

Die Rückkehr in Zeiten einer weltweiten Pandemie ließ mich Berlin mehr denn je als meine Heimat betrachten. Da ich nun schon seit über vier Jahren hier bin, hatte ich bereits über die wiederkehrende Metapher von Berlin als Liebhaber nachgedacht und sogar darüber geschrieben, wie ich der Stadt im Laufe der Zeit treu bleiben konnte. Als ich zurückkam, fragte ich mich, ob die Erfahrung von Berlin in dieser bizarren Corona-Zeit meine Liebe zu dieser Stadt beeinflussen wird. Sicherlich hatte ich die Stadt noch nie so gesehen: mit menschenleeren Straßen, geschlossenen Clubs und einem Versammlungsverbot.

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10 Deutschen Wörter, die komplexe Persönlichkeiten beschreiben

10 Deutschen Wörter, die komplexe Persönlichkeiten beschreiben

Kennt ihr das Sprichwort, dass ein Bild mehr als tausend Worte sagen kann? Nun, wie sich herausstellt, kann ein bestimmtes deutsches Wort manchmal mehr als tausend Worte einer anderen Sprache vermitteln. Hier ist eine Liste von 10 deutschen Begriffen zur Beschreibung komplexer Persönlichkeiten, von denen weniger effiziente und phantasievolle Sprachen nur träumen können. Mehr erfahrt ihr im Englischen Teil des Textes.

Das neue Dogma der Systemrelevanz: Und wie relevant bist du?

Das neue Dogma der Systemrelevanz: Und wie relevant bist du?

Vor ein paar Wochen hatte ich auf der Höhe der Anspannung während der Quarantäne bei einer nächtlichen Fahrt mit einem Fahrer ein merkwürdiges Gespräch, das ich einfach nicht aus meinem Kopf bekomme. Es bezog sich auf einen dieser wunderbaren neuen Begriffe, die im Zuge der Pandemie aufkamen, die einmal von unbedacht Politikern geprägt, aber dann von den Medien weit verbreitet wurden. Der erste, der mir in den Sinn kommt, ist natürlich “Kontaktverbot” (zufälligerweise ist die englische Version “Social Distancing” ein ebenso fehlgeleiteter Begriff wie die deutsche), aber derjenige, den ich hier anspreche, ist “Systemrelevanz”.

Ich war auf dem Weg nach Hause, wobei ich verantwortungsbewusst auf öffentliche Verkehrsmittel verzichtete und einen der verfügbaren Fahrdienste benutzte. Es war zu der Zeit, als Berlin eigentlich ziemlich leer war, sowohl auf den Straßen als auch auf den Bürgersteigen. In diesen Wochen gab es so viel Unsicherheit und Angst, dass man merkte, dass sich die Leute eigentlich nicht hinauswagten.

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