Als die Künstlerin Ivana Vladislava zur Eröffnung ihrer neuen Ausstellung „Inner Beauty is for Ugly People“ in der Robert-Grunenberg-Galerie eintraf, fühlte es sich fast so an, als würde ein Superstar auf dem roten Teppich einer Filmpremiere erscheinen. Selten habe ich eine Kunstveranstaltung erlebt, bei der so viel Aufregung und Spannung in der Luft lag. Die Galerie und die Straße davor waren vollgepackt mit Menschen, die man nur als Fandom bezeichnen kann. Ich habe Ivana sofort gesagt, dass dies das Kunstereignis des Jahres sei – sie hat es in diesem Moment noch belächelt, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr später am Abend klar wurde, dass dies keine Übertreibung war.
Ivana ist keine gewöhnliche Künstlerin; sie ist ein einzigartiges Phänomen, und sie nähert sich der Kunstwelt aus einem anderen Blickwinkel – einem, der auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz zu dieser Welt zu passen scheint. Aber sie hat sich einen Platz erkämpft und ein leidenschaftliches Publikum erreicht, das sie auf eine Weise feiert und beflügelt, von der andere, vielleicht sogar etabliertere Künstler*innen nur träumen können. Und genau das macht es so genial und unglaublich befriedigend. She is an icon; she is the moment.
Als ich mich kürzlich im „House of Pride“ – einer Veranstaltung im Rahmen der Berlin Pride, die sie mitgehostet hat – mit ihr unterhielt, kam ein junger, leicht angeheiterter schwuler Herr überaus aufgeregt auf sie zu, und es war mehr als offensichtlich, dass Ivanas Anblick einige seiner Synapsen zum Durchknallen gebracht hat. Man könnte sagen, das ist die Folge einer zu starken Aura – manche Menschen verlieren dabei einfach den Verstand. Das muss manchmal ein schweres Kreuz sein, das man zu tragen hat, aber andererseits kann man daraus faszinierende Kunst machen.



Apropos faszinierende Kunst: Die Kunstwerke von Ivana sind ein Dialog mit dem Selbstbild. Für ihre neue Ausstellung „Inner Beauty is for Ugly People“ taucht sie tief in das Thema Selbstoptimierung und die Besessenheit von Schönheit ein. Eines ihrer Werke mit dem Titel „Lookmaxxing“ ist ein Hammer mit mehreren Köpfen, die in kleinen Ivana-Gesichtern enden, die alle auf die Gesichtsknochen blicken, die sie – symbolisch – zerschlagen wollen, in der Hoffnung, dass diese später wieder vorteilhafter zusammenwachsen. Das ist vielleicht der bizarrste Schönheitstrend überhaupt – wenn Menschen versuchen, ihre eigenen Knochen zu zerschlagen, um schöner zu werden. Der Ozempic-Stifthalter und die Botox-Spritzen-Schale sind im Vergleich dazu fast harmlose Beispiele.
Das Herzstück der Ausstellung ist eine Auswahl an Schönheits- und Make-up-Produkten sowie Werkzeugen, alle mit winzigen Ivana-Miniaturen, die sich in Lippenstifte, Make-up-Paletten, Kämme und Pinsel verwandeln. Es ist die ultimative Kommodifizierung des Körpers der Künstlerin zu einem Produkt – es erinnert mich an den SOPHIE-Song „Faceshopping“: “My face is the front of shop. My face is the real shop front. My shop is the face I front. I’m real when I shop my face.” Das ist sehr philosophisch – aber gleichzeitig auch unglaublich witzig. Ein gewisser selbstironischer Humor scheint sich wie ein roter Faden durch viele ihrer Arbeiten zu ziehen, sowohl in der Galerie als auch auf ihren Social-Media-Kanälen. Und wer hätte schon nicht gerne eine Gewürzgurkenversion seiner selbst im Glas?




Ivana ist einer dieser seltenen Fälle, in denen die Kunst über das Kunstwerk selbst hinausgeht; sie selbst ist das Kunstwerk. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass auch ihre Fans Teil des Kunstwerks sind – das ist tatsächlich meine wichtigste Erkenntnis aus dem Besuch ihrer Ausstellungseröffnung. Es waren so viele wundervolle Menschen da, ganz offensichtlich ein ganz bestimmter kreativer und ausdrucksstarker Typ. Das ist das beste Publikum, das man sich nur wünschen kann. Wenn man eines ihrer Werke kauft, geht es weniger darum, einen Gegenstand zu besitzen, den man in seine Sammlung aufnehmen und auf dessen Wertsteigerung warten kann. Der Kauf wird vielmehr zum Bekenntnis, Teil eines größeren konzeptuellen Kunstwerks zu sein, nämlich Ivana Vladislava. Man wird Teil der Welt, die sie erschafft. Und das fühlt sich einfach unglaublich deliziös an …
Aber jetzt, wo ist mein Ozempic-Pen?

