photos: Red Rubber Road. 

Heute möchten wir eine Fotoserie mit euch teilen, die ein bisschen das Gegenteil unserer gestrigen “Finally Together Again”-Serie ist, die ein physisches Miteinander feierte und zeigt, wie bedeutsam es in diesen schwierigen Zeiten sein kann. Was für unser Team, in dem alle Mitglieder in Berlin leben, möglich war, ist nicht dasselbe für die Kollegen, Freunde, Familien, Liebenden, die während der Pandemie nicht im selben Land leben. Das Künstlerduo AnaHell und Nathalie Dreier war eines derjenigen, die durch die Quarantänemaßnahmen verschiedener Länder getrennt waren. Wir haben ihre Quarantäneserie zu Beginn des Lockdown veröffentlicht, und das hat wirklich einen Nerv getroffen. Diese Serie wurde eigentlich viel früher in einem anderen Kontext produziert, aber sie fasste die bizarre Atmosphäre der frühen Phasen der Pandemie-Maßnahmen perfekt ein.

In ihrer neuen Serie haben sie den Zustand eingefangen, dass sie tatsächlich nicht in der Lage waren, für ihre Serie Red Rubber Road zusammenzuarbeiten, wie sie es gewohnt sind. Aber sie fanden einen recht cleveren und beeindruckenden Weg, die physische Distanz zu überwinden. Ich denke, das spiegelt perfekt die vergangenen Monate wider und wie jeder die physische Distanz, die er zu anderen Menschen einhalten musste, improvisieren musste und wie wir gelernt haben, sie auf digitale Weise zu ersetzen. Die Künstler selbst haben einen ausgezeichneten Text geschrieben, in dem sie den Hintergrund dieser Serie und ihrer Arbeit erklären, den ich nicht einmal ansatzweise mit meinen eigenen Worten schreiben konnte, deshalb werde ich hier ihre eigene Projektbeschreibung vorstellen.

 

  

 

“Die Fotografinnen AnaHell und Nathalie Dreier sind ihre eigenen Protagonistinnen in Red Rubber Road, einem fortlaufenden Selbstporträt-Projekt, das ihre Beziehung über die Jahre hinweg dokumentiert. Nachdem sie seit ihrem zwölften Lebensjahr eine innige Beziehung aufgebaut hatten, gelang es ihnen im Laufe der Jahre immer wieder zusammenzukommen, um ihre körperlichen Veränderungen und sich entwickelnden Wünsche zu dokumentieren, obwohl sie zeitweise über Ozeane hinweg getrennt lebten. Im Jahr 2011 begannen sie, verschiedene Ausdrucksformen des Rollenspiels in ihre Fotos zu integrieren, was zu einer Veränderung ihrer Identitäten führte und die Grundlage der Red Rubber Road bildete. Diese Bilder zeigen die beiden Fotografinnen in einer kraftvollen Umarmung des Ungewöhnlichen und des Fleischlichen, wobei sie sich ineinander und in ihre Umgebung mischen, ohne ihre Identität je ganz preiszugeben. Diese surrealen Kompositionen zeigen Weiblichkeit, Sexualität, den Lauf der Zeit und die Grenzen des Selbst”.

 

 

“In diesem Frühjahr, kurz vor ihrem nächsten geplanten Rendezvous im ländlichen Spanien, brach die Pandemie COVID-19 aus, und ihr Fotoshooting wurde abgesagt. Während sie bereits an die Postproduktion über die Entfernung gewöhnt waren, war es vor COVID-19 unvorstellbar, ihre Porträts aus der Ferne zu machen. Da sie nicht wussten, wie lange die Quarantäne ihres jeweiligen Landes dauern würde, wandten sie sich elektronischen Geräten zu, um eine neue Art der Zusammenarbeit zu schmieden. Nach einigen Versuchen (und Fehlern), die darin bestanden, Selbstporträts im Voraus getrennt aufzunehmen und die Aufnahmen durch Echtzeit-Videoanrufe zu koordinieren, entwickelte sich eine außergewöhnliche Dynamik. In Together A Part gelingt es den Künstlerinnen, allein durch einen Bildschirm miteinander zu verschmelzen und so die Erzählung zu transformieren: Der Bildschirm ist nicht mehr nur ein Fenster zur virtuellen Welt, sondern ein konkretes Objekt, das sich durch das Display verstoffwechselt, uns verbindet, uns ausdehnt und uns auf fast physische Weise verwandelt.” – AnaHell & Nathalie Dreier

 

  

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Frank
by
on Juni 12th, 2020
in Kunst, Fotos