Die Berliner lieben es, zu recyceln. Wir lieben einen aus einer Fabrik umgebauten Club oder einfach nur das Pfandbon aus all den Flaschen vom letzten Wochenende. Nun, diesen Sommer recycelt Berlin einen weiteren Veranstaltungsraum, der voller Erinnerungen an vergangene Partys steckt. Vor über 200 Jahren erbaut und einst als “Sanssouci des Ostens” bezeichnet, war das ZENNER-Haus einer der Anlaufpunkte für Partylöwen in den 1800er Jahren. In der Villa fanden Feste wie die Stralauer Fischung und die Loveparade statt, eines der wildesten Feste der Stadt, das 1873 verboten wurde. Im Mai dieses Jahres wird das ZENNER am Spreeufer im Treptower Park einen Biergarten mit 1.500 Plätzen eröffnen – unter der Leitung von Sebastian Heil und Tony Ettelt, den bisherigen Betreibern zweier bereits renommierter Berliner Lokale: Salon Zur Wilden Renate und Else.

Dieser Biergarten wird nur einer von vier verschiedenen Räumen sein, die für das Projekt geplant sind. Bis 2022 wollen Ettelt und Heil auch den ZENNER Saal eröffnen, einen Tanzsaal mit 800 Steh- und 350 Sitzplätzen. Dieses Gebäude ist das Herzstück des Komplexes und wird derzeit zu einem Veranstaltungsort für Konzerte, Raves und andere Events umgebaut. Der Saal wird mit Hilfe der Denkmalschutzbehörde saniert, damit das ZENNER die Geschichte des Raumes würdigt. Zum ZENNER Saal gehört auch eine Außenterrasse mit schönem Blick auf die Spree, die sich über die gesamte Breite des Saales erstreckt. Ich kann es kaum erwarten, dort den Sonnenaufgang zu erleben.

 

 

Das ZENNER Turmhaus soll ebenfalls 2022 eröffnet werden und eine Eisdiele mit Bio-Eiscreme beherbergen. Der letzte Teil des Projekts ist für 2024 geplant: Die ZENNER Körnervilla war Schauplatz von Festen aus vergangenen Jahrhunderten, die ihr eigenes Erbe fortsetzen und als Kulturraum für weitere Geschichten wiederbelebt werden sollen. Die Villa soll für Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen, Hochzeiten und Kunstausstellungen umgenutzt werden.

Der ZENNER-Saal und der Biergarten wurden über die Jahre hinweg genutzt, die anderen kleineren Gebäude standen jedoch über ein Jahrhundert lang leer. Im Jahr 2019 gingen die bisherigen Eigentümer des Biergartens in Konkurs und der Bezirk machte sich auf die Suche nach neuen Nutzern für den historischen Komplex. Den Zuschlag bekamen schließlich Heil und Ettelt, die damit ihre Vision von einem Kulturraum, der die reiche Geschichte Berlins ehrt, verwirklichen konnten.

 

 

“Wir wollen diesen historischen Ort der Begegnung wiederbeleben”, erklärt Ettelt. “Wir wollen Kultur und Gastronomie verbinden und ein inspirierendes und vielfältiges Angebot schaffen, das für jeden zugänglich ist.” Das Bier der Berliner Bürgerbräu, der ältesten Brauerei Berlins bis zu ihrer Schließung im Jahr 2010, wurde für das Projekt sogar wiederbelebt und wird das Hausbier sein, das am Veranstaltungsort verkauft wird. Das ZENNER lässt im wahrsten Sinne des Wortes Partykulturen der Vergangenheit wieder aufleben.

“Wir wollen mit dem ZENNER-Biergarten auch einen Beitrag zur Entwicklung einer modernen und nachhaltigen Berliner Biergartenkultur leisten”, ergänzt Heil. Nachhaltigkeit und Inklusivität sind zentrale Säulen der ZENNER-Philosophie; Stephan Matschke, künstlerischer Leiter des Projekts, weist darauf hin, dass der Veranstaltungsort ein Ort für internationale Künstler sein soll, mit Priorität für weibliche, queere und nicht-binäre Künstler. “Wir wollen einen Ort schaffen, an dem sich Grenzen auflösen, in einem einzigartigen Setting, das Kultur für jeden erlebbar und zugänglich macht.”

 

 

Mit der Eröffnung des ersten Teils des neuen ZENNERs im Mai dieses Jahres können wir uns auf viele entspannte Sommernächte an der Spree freuen, in denen wir elektronische Melodien statt klassischer Sinfonien genießen. Wir sehen uns dort!

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Adri
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on Februar 19th, 2021
updated on Mai 19th, 2021
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