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Die Macher: Interview mit Künstler und Illustrator ATAK

Die Maus jagt die Katze, der Hase schießt den Jäger und der Dompteur springt durch den brennenden Reifen. In seinem großen Bilderbuch Verrückte Welt stellt der Berliner Künstler ATAK die Welt, wie wir sie kennen, einfach auf den Kopf. Und immer, wenn ich das Buch durchblättere, entdecke ich witzige Details, die ich vorher noch nicht gesehen habe: Da sitzt Ernie aus der Sesamstraße im Fenster und dort hängt ein Druck von Matisse an der Wand. Das Besondere daran: Diese Bilder sind nicht langweilig und glattgebügelt, sondern haben Ecken und Kanten, man kann sogar den Pinselstrich erkennen. An diesem Buch haben Kinder und Erwachsene ihren Spaß!

ATAK ist ein extrem vielseitiger und vielbeschäftigter Künstler; er arbeitet als Comiczeichner, Illustrator oder Kolumnist. Außerdem ist er frischgebackener Professor an der Hochschule für Kunst und Design Halle. Ich kann also verstehen, warum ich ihn nicht sofort ans Telefon bekommen habe. Zum Glück hat das mit dem Interview dann aber doch geklappt. Nach dem Klick erzählt ATAK in unserer Reihe Die Macher, warum Berlin gegenüber den Metropolen Paris und London klar im Vorteil ist und was er von Rauchern in seiner Kunst hält.

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Warum Berlin?

Ich bin in Frankfurt/Oder geboren und schon früh nach Berlin gezogen, habe meine Familie und meine Freunde hier. Zwischendurch war ich eine Zeit lang in Stockholm und habe von dort aus Berlin erst richtig schätzen gelernt. Und ich mag den Berliner Humor.

Was sind Deine Lieblingsorte in Berlin?

Das ändert sich immer wieder. Momentan ist es eher die Umgebung von Berlin und mein Atelier in der Nähe vom Mauerpark. Auch im Kaffee Burger bin ich gern.

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Inwieweit trägt die Stadt zu Deiner kreativen Arbeit bei?

Ganz im Gegenteil zu Paris und London hat Berlin diesen entspannten Rhythmus. Gleichzeitig gibt es hier eine unglaublich vielfältige kreative Szene. Die Stadt pulsiert ohne einen zu erschlagen.

Warum ist Rollentausch nicht nur für Kinder ein spannendes Thema?

Das ist ja ein ganz altes Thema, das schon vor hundert Jahren zum Beispiel in den Neuruppiner Bilderbögen so funktioniert hat. Für mich spielte auch noch eine Rolle, dass es keinen Text gab, den ich illustrieren sollte. Die Bilder stehen sozusagen für sich. Ich habe das Thema einfach in die heutige Zeit übertragen.

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Man sieht Deinen Bildern an, dass sie richtig gemalt sind und nicht am Computer entworfen…

Ja, das ist eine bewusste Entscheidung. Es geht mir darum, das Material zu spüren. Das ist eine besondere Ästhetik, die nicht so gleichförmig und austauschbar ist wie vieles, was am Computer entsteht.

Wenn du Bücher illustrierst, kann die Zusammenarbeit z.B. mit dem Autor oder dem Verlag nicht auch manchmal schwierig sein? Wie frei bist du bei der Gestaltung?

Man hat immer die Freiheit, die man sich nimmt. Zum Beispiel habe ich schon gehört, dass manche Verleger Probleme mit rauchenden Figuren hatten. In meinem nächsten Buch wird daher auf jedem einzelnen Bild geraucht!

Worum geht es in dem Buch?

Es ist eine neue Struwwelpeter-Version, die ich mir zusammen mit Fil ausgedacht habe. Das Buch ist schon fertig und wird demnächst beim Schweizer Verlag Kein & Aber erscheinen.

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www.fcatak.de

ATAK: Verrückte Welt

www.jacobystuart.de

32 Seiten, geb., 15 x 22 cm,

ISBN 978-3-941087-24-8

EUR [D] 14,95, EUR [A] 15,40, SFr 29,20

Text: Steffen Krautzig

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