Foto: Markus Werner

Nach einer Weile kommen wir wieder wieder zurück mit einer neuen Folge von unserer Serie The Berlin Experts. Hier stellen wir euch tolle Leute vor, die Experten auf ihrem Gebiet sind – zum Beispiel der Kunst, Mode, Musik, Nachtleben oder Publikationen. Wie ihr euch vielleicht erinnert haben wir bereits unter anderem Finding Berlinüberlin und Johann von der Circle Culture Gallery interviewt.

Nun möchten wir euch den Berliner Radiosender BLN.FM vorstellen. Gegründet 2009 ist das Ziel des Radiosenders ein unabhängiges Medienangebot mit dem Fokus auf elektronische Musik zu schaffen. Wenn ihr Lust auf dieses Genre habt, könnt ihr jederzeit und weltweit das Webradio aufrufen und die Musik genießen. Weiterhin führt BLN.FM ein eigenes Webmagazin, in dem  es Interviews, Features, Infos zum Berliner Stadtleben und der Gesellschaft sowie Film und Kunst zu lesen gibt. Unser Interview mit den Machern von BLN.FM gibt es nach dem Klick.

Foto: Markus Werner

Wie kamt ihr auf die Idee ein eigenes Radio ins Leben zu rufen?

Nun, zunächst einmal ist BLN.FM nicht einfach „nur“ ein Radio. Wie sind eine Medienvertriebsgesellschaft auf Basis einer Non- Profit- Organisation und damit sind wir wirklich einzigartig, denn die meisten Mediengesellschaften fokussieren sich eher auf die Frage: „Wie können wir Geld aus unseren Inhalten schöpfen?“. In BLN.FMs Fall waren und sind nach wie vor unsere Hauptziele, den Leuten journalistische Inhalte zu liefern, die frei von Werbung und Vorgaben von Sponsoren, sowie junge Leute im Bereich der Medien auszubilden. Uns interessiert es nicht, ob diese Menschen studiert haben oder vorher im Medien Business tätig waren; wenn wir ein Talent entdecken, schnappen wir es uns. Als die deutsche Regierung sich dafür entschied, die Förderung Berliner Radio Stationen zu beenden, kam uns die Idee mit BLN.FM durchzustarten. Vorher haben wir an “3headz radio” und “sonett77” gearbeitet – beides eher Projekte als richtiges Business. Während dieser Zeit haben wir immer mehr und mehr Leute um uns gesammelt und so kamen wir zu dem Schluss, dass wir BLN.FM auf einer festeren Basis aufbauen müssen.

Was unterscheidet euch von anderen Berliner Radio Stationen und warum sollten wir gerade eurer Musik lauschen?

Wir sind die einzige Radio Station / Webmagazin für elektronische Musik und Kultur in der sogenannten „deutschen Hauptstadt der elektronischen Musik“ – das ist das, was uns von den anderen unterscheidet. Wieso hören Leute Radio? Als Lehrer für Journalismus würde ich es vorziehen, Sachen wie „weil sie gerne informiert sind“ oder „sie mögen unseren exzellenten journalistischen Inhalt“ sagen, aber wenn man der Realität ins Auge schaut, müssen wir zugeben, dass die Zuhörer Radio Stationen einschalten, weil sie Musik mögen. Deswegen sollten die Leute BLN.FM hören, weil wir die beste musikalische Untermalung fürs Kochen, Aufwachen, nächtliches Wachbleiben, Wäsche waschen, Fahrradfahren zur Uni, Sitzen in der öden U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit, Abfeiern am Wochenende die besten Beats um Liebe zu machen, bieten.

Du lebst in Berlin und schreibst auch darüber. Was gefällt dir am meisten an dem Leben in der Hauptstadt?

Ehrlich gesagt denke ich, dass Berlin die meisten Möglichkeiten bietet, wenn es sich um Medienbusiness im Allgemeinen dreht. So etwas wie BLN.FM wäre einfach nicht möglich in Köln, Frankfurt oder München. Berlin ist krass vollgepackt mit Kultur, Musik und Netzwerken – du kannst innerhalb weniger Tage darin ertrinken. Aber wenn du deine Nische findest, kannst du wunderbar an Dingen arbeiten, die dir wirklich am Herzen liegen.

Wie würdest du den Musikstil von BLN FM beschreiben?

Ganz einfach “alle Art von elektronischer Musik”.

Welche Berliner Acts würdest du empfehlen?

Das ändert sich von Tag zu Tag 😉

BLN.FM besteht aus einem coolen Team aus Musikherausgebern und die wissen weit mehr über „den letzten Stand der Kunst“ von Künstler als ich. Ich persönlich mag die junge Band delta sehr gerne, eine andere Band ist Danke, weiterhin I L.O.V.E.  Apparat, Beroshima (Frank, wir müssen nur unserern Remix von “We Who Are Oppressed” fertig stellen!!!!). Je länger ich nachdenke, desto mehr Namen fallen mir ein.

Was kannst du jungen Menschen empfehlen, die in Berlin eine Karriere in der Musik- und Medienbranche starten möchten?

Ganz zuerst: Hört auf über eine Karriere nachzudenken! In diesen Tagen hofft jeder darauf, als „das neueste Superwasauchimmer“ entdeckt zu werden – ich nenne es das „DSDS oder American Idol Syndrom“. Leute denken oft, dass Einzigartigkeit alleine einen guten Job garantiert. Der Rest wird schon kommen, wenn sie ihre Beziehungen spielen lassen. Das ist der Fehler meiner Generation. Erzieht euch selbst, trainiert eure Fertigkeiten, sucht euch gute Lehrer und hört auf sie, sammelt ALLES woran ihr jemals gearbeitet habt, pflegt eure Beziehungen und kümmert euch darum wie um eine zarte Blume. Ein Netzwerk entsteht offline und online, lernt es euch zu organisieren, lernt selbst zu reflektieren und seid ehrlich zu euch selbst, erschafft einen Kreis an Leuten, die euch begleiten was auch immer ihr tut – das wird eure „geheime Medizin“ sein, wenn ihr wieder einen Energieschub benötigt.

Wir sind immer auf der Suche nach neuen Mitstreitern – mehr Infos gibt es hier.

Vielen Dank für das Interview!

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Olga
by
on September 29th, 2015
in Musik, Leute