Fotos: Maarten van den Berg.  

Mit diesem Beitrag möchten wir ein ganz besonderes Juwel mit euch teilen, das uns von unserem Leser Maarten aus den Niederlanden zugesandt wurde. Wir sind besonders begeistert von dem, was er uns geschickt hat, da wir bisher nicht wirklich etwas aus diesem Teil der Geschichte Berlins auf dem Blog hatten – zumindest nicht speziell aus diesem Jahrzehnt. Die Geschichte, die er mit uns geteilt hat, handelt von seinem Besuch in Berlin im Jahr 1981 – einer Zeit, in der die Wiedervereinigung noch nicht einmal am Horizont zu sehen war, einer Zeit, in der Berlin noch eine geteilte Stadt war, in der die Wunden dieser Teilung noch immer offen waren. Während seines Besuchs machte er Straßenfotos sowohl vom Westen als auch vom Osten Berlins, und natürlich viele Eindrücke von der Mauer, die damals eine Art Touristenattraktion zu sein schien. Es ist beeindruckend, die Stadt, an die wir heute so gewöhnt sind, in diesem Zustand zu sehen. So viele dieser ehemals toten Gebiete Berlins sind jetzt in das Stadtleben integriert und mit neuen Plätzen und Gebäuden gefüllt, die uns die Narben vergessen lassen, die sie einmal waren.

Maarten hat im Selbstverlag ein Fotobuch mit dieser atemberaubenden Serie herausgegeben, das man hier bestellen kann. Er teilte auch einige Worte über den Besuch und die Fotos, die er gemacht hat und die lange verloren waren und erst kürzlich wieder aufgetaucht sind. Wir hoffen, die Bilder gefallen euch!

“Als ich an einem Oktobermorgen im Jahr 1981 am Bahnhof Zoo ankam, konnte ich nicht ahnen, dass dies der Beginn einer dauerhaften Faszination für Berlin sein würde. Eingeladen wurde ich von Christian und Wulf, die mich in ihre Stadt einführen wollten. Es waren die frühen 80er Jahre mit ihrer wirtschaftlichen Depression, der verlorenen Generation und der fehlenden Zukunft. Und Berlin, diese Insel inmitten eines Meeres von Kommunismus, war das Zentrum von allem.

“Es war brutal, fiebrig, elektrisierend, und das alles passierte 24/7 im Schatten der Mauer. Als 25-jähriger Abbrecher der holländischen Kunstschule interessierte ich mich vor allem für die Kunst- und Musik-Subkulturen. Aber die erste Woche entpuppte sich als Non-Stop-Party-Zug, und ich ging von Club zu Club und tanzte die Nacht durch. Bevor ich abreiste, machte ich tagsüber zwei Spaziergänge mit meiner Kamera und machte Fotos. Der erste Spaziergang war in Ost-Berlin bis zum Prenzlauer Berg. Am nächsten Tag, in West-Berlin, folgte ich der Mauer bis nach Kreuzberg.

“Zurück zu Hause, in den Niederlanden, machte ich einige Abzüge und verlor diese Fotografien schließlich bei den folgenden Umzügen von einer Wohnung zur nächsten aus den Augen. Bei meinem Aufenthalt in Berlin-Neukölln 2017 fiel mir auf, dass sich vor allem junge Menschen für die jüngere Vergangenheit ihres Heimatortes interessieren. Ich beschloss, mich auf die Suche nach diesen verlorenen Bildern zu machen. Als ich die Negative fand, stellte sich heraus, dass 40 Prozent durch Feuchtigkeit ruiniert waren. Ich beendete die Restaurierung der überlebenden Bilder im Dezember 2017 und erstellte dieses Buch.” – Maarten van den Berg

 

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Frank
by
on Januar 14th, 2021
in Fotos, Stories