Dumm und Fahrlässig: Warum das YAAM nicht Schließen darf!

Dumm und Fahrlässig: Warum das YAAM nicht Schließen darf!

Foto: Spyrosdrakopoulos / CC BY-SA

Das YAAM, der einzigartige Kulturraum an den Ufern der Spree am Ostbahnhof, der speziell Berlins BPoC-Community einen Ort der Zusammenkunft bietet, musste diese Woche seine Räumlichkeiten aufgeben – ungeachtet der rechtlichen Hintergründe oder der tatsächlichen Absichten hinter den Ereignissen, es gab nie einen schlechteren Zeitpunkt der Schwarzen Community in Deutschland einen Veranstaltungsort zu nehmen!

Die Stabilität der Ufermauer, auf der das Gebäude gebaut ist, wäre nicht mehr gewährleistet – so ein offizielles statisches Gutachten. Während rechtliche Erläuterungen die Dinge vielleicht etwas niedlicher klingen lassen – die Schließung eines Clubraumes auf einem mehr als lukrativen Grundstück… wir alle werden jetzt doch nur eine Sache annehmen, nicht wahr?  – dabei erscheint das Timing dieser Ereignisse jedoch fast wie ein ziemlich schlechter Witz. Wer auch immer die Anweisung gegeben hat, die Betreiber des YAAMs dazu zu bringen, die Innenräume des Venues zu räumen: “Du liest schon die Nachrichten oder?!”.

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Digital Pride: Zusammen trotz Distanz 

Digital Pride: Zusammen trotz Distanz 

Wie zeigt man Zusammenhalt und Zugehörigkeit in Zeiten von Social Distancing? Berlins queere Community wagt sich in virtuelle Gefilde, um darauf Antworten zu finden. 

Das Jahr 2020 war hart – für uns alle, aber besonders für die globale Queer-Community. Während in Ungarn versucht wird, Transsexuelle ihres Rechts auf Anerkennung ihres Geschlechts zu berauben, Großbritannien und die USA im Begriff sind wichtige Antidiskriminierungsgesetze gegen queere Menschen zurück zu nehmen und Polen ein Drittel des Landes zur so genannten “LGBT-freien Zone” erklärt hat, ist institutionalisierte Homophobie vor Berlins Haustür angekommen.

Mehr denn je müssen queere Menschen Widerstandskraft unter Beweis stellen und brauchen diese Zeit um unsere Identität zu feiern und Solidarität mit all jenen zu zeigen, die es noch nicht können – doch genau jetzt befinden wir uns inmitten der größten Pandemie des letzten Jahrhunderts.

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Trainspotting Berlin: Stille Nacht, Einsame Nacht

Trainspotting Berlin: Stille Nacht, Einsame Nacht

Eine Sammlung von Momenten eingefangen irgendwo zwischen Aufbruch und Ziel.

Ein letzter energischer Sprung und ich rette mich in die abfahrende U1.

BEEP BEEP BEEP.

Die Türen schließen, ich nehme auf der lila gemusterten Sitzbank Platz.

Der Blick wandert über die vermummten Gesichter meiner Mitfahrer*innen, knapp ein dutzend, vor nostalgisch, dunkelbrauner Holzvertäfelung.

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Trainspotting Berlin: Die Stimme der U8

Trainspotting Berlin: Die Stimme der U8

Kleine Anekdoten von flüchtigen Momenten unterwegs.

U-Bahnen sind voller Mythen. Ein Ort, den wir mit so vielen Menschen teilen, und trotzdem nicht immer gemeinsam erleben.

Ein Ort, dem kollektive Erinnerungen innewohnen; und obwohl meist nicht die Grenzen der persönlichen Erfahrung verlassend, schaffen es manche Momente, überzutreten in das breite Bewusstsein der Masse.

Sie war eine davon.

Zuerst nur sagenhaftes Gerücht — eingefangen in verwackelten Instagram-Videos und dumpfen Sprachnachrichten — verbreitete sich ihr Mythos entlang der U-Bahnlinie Acht, wie ein Lauffeuer an einem trockenen Augusttag.

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Was die Nacht mich lehrte

Was die Nacht mich lehrte

Eine persönliche-analytisch Reise, erzählt zu schmetternden Trommelschlägen im Viervierteltakt bei 130 bpm.

Ich drehe mich nach links und lehne meinen Körper gegen die dünne Metallwand neben mir. Der gebürstete Edelstahl schmiegt sich kühl an meinen überhitzten Schädel. Mir ist schwindelig, der Schweiß läuft mir die Stirn runter. „So, was machen wir?“, die vertraut raue Frauenstimme klingt autoritär und bestimmt. Ein Lichtblitz durchzuckt mein Blickfeld — die Reflexion der staubig-gelben Glühbirne über mir auf der steril glänzenden Oberfläche eines Mobiltelefons. Leise rieselt der Schnee, sieben schweißnasse, halbnackte Körper auf engstem Raum, frei soll der Kopf sein, oder wieder fliegen. Der Bass wabert unter unseren Füßen. Nebenan rauscht die Toilettenspülung.

Was mache ich hier eigentlich?

Rein oberflächlich habe ich doch die Kontrolle über mein Leben verloren — tiefen-analytisch betrachtet mache ich aber alles genau richtig.

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Trainspotting Berlin: Morgendliche Misere

Trainspotting Berlin: Morgendliche Misere

Einer dieser Morgende. Die Nacht war zu lange, der Wecker zu früh, der Kaffee zu spät — und drei Tassen zu wenig.

Während ich über meine offenen Schnürsenkel im Hausflur falle, frage ich mich, ob ich mich nicht doch lieber krank hätte melden sollen.

Der aggressive Miniatur-Hund meiner Nachbarin aus dem zweiten Stock springt mir mit grellem Gebell fast an die Gurgel, mein Herzschlag steigt in ungesunde Höhen und meine Laune sinkt auf einen neuen Tiefpunkt.

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Perspektiven eines aufstrebenden Künstlers in Berlin

Perspektiven eines aufstrebenden Künstlers in Berlin

Foto: Nathan Thomas

Was braucht man, um den Fuß in die Kunstszene einer Stadt zu bekommen, die von einschüchternd-kreativem Potenzial schier überzulaufen scheint?

Der IHeartBerliner Redakteur Andy traf seinen Freund Qeas Pirzad — seines Zeichens Szene-Darling, Sternzeichen Schütze, Disco-Queen der Tanzflächen der Stadt und aufstrebender Contemporary Artist — um herauszufinden, welche Formen dieser herausfordernde Weg annehmen kann.

Es entsteht ein intimes Gespräch, welches die kreative Reise des Künstlers aufdeckt, welche Folgen es hat, seinen Träumen zu folgen, und die Erkenntnis, dass gegen den Berliner Strom schwimmen, einen im Endeffekt zum waschechten Berliner macht.

Die vollständige Version des Interviews findet ihr in der englischen Version des Textes.

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Trainspotting Berlin: Vergiss nicht, in der U7 zu Lächeln

Trainspotting Berlin: Vergiss nicht, in der U7 zu Lächeln

Kleine Anekdoten von flüchtigen Momenten unterwegs.

Ich setze mich auf eine dieser unbequemen Metallbänke in unentschlossenen Grautönen. Rathaus-Neukölln. 4.30h. Samstagmorgen.
Ich weiß nicht, ob ich noch betrunken oder schon verkatert bin.

Die Party war zu lang, die Drinks zu viele, und – natürlich – dieser süße Brasilianer musste eine Berliner Luft aufmachen.

Ich schaue nach oben, links und rechts; ich frage mich, welcher Innenarchitekt sich Eierschalen/Kotze als passende Farbwahl für den öffentlichen Nahverkehr ausgedacht hat…
Aber andererseits – Die U7-Linie stammt aus den 1930er Jahren, Zeiten, in denen Braun im Trend lag.

Aggressive, gelbe Pixelbuchstaben versprechen eine 14-minütige Wartezeit – die Apokalypse, für Berliner Maßstäbe.

Ein rauer Kerl neben mir fängt an, hypnotische Geräusche zu murmeln; sein fester Blick auf eine Aldi-Tasche, als wäre er ein Schlangenbeschwörer,
mir gegenüber, schiebt sich ein betrunkenes Paar die Zungen in einem beunruhigenden, sich wiederholenden Rhythmus in die Kehle,
während irgendwo auf der Plattform ein blechernes Medley aus “Oh Happy Day” und “Oh When the Saints” aus einem alten Saxophon in voller Disharmonie explodiert.

Die Kopfschmerzen beginnen zu pochen, die Müdigkeit greift an, meine Augen werden schwer.

Ich hätte mir ein Taxi nehmen sollen.

 

 

Ich wache durch das krachende Geräusch des ankommenden Zuges auf. Entsetzt schaue ich mich um, mein Rucksack mit geschlossenem Reißverschluss steht immer noch neben mir, mein Handy liegt sicher in der rechten Hand.

Die Zungen lösen sich, der glasige Blick hebt sich langsam, “Oh When the Saints” verblasst mystisch hallend von den gefliesten Wänden während die U7 in die Station rattert.

4.44h.

Als ich aufstehe,
ein kleines Stück Papier, beschriftet mit dicken, hastig geschriebenen Buchstaben, fällt zu Boden.
Ich hebe es auf.

“Du siehst süß aus, wenn du schläfst. Komm sicher nach Hause :* :)”

Whole United Queer Festival: Der Beginn einer Revolution

Whole United Queer Festival: Der Beginn einer Revolution

Foto: Rafael Medina. 

Bereits nach drei Jahren ist WHOLE, das extravagante Spektakel außerhalb Berlins, zu einem einzigartigen Ort queerer Sichtbarkeit und Gemeinschaft geworden mit – zweifellos – historischer Bedeutung. Unser iHeartBerliner Autor Andy besuchte die dreitägige “Function in Ferropolis”.

Ich atme tief ein. Die Luft ist staubig und trocken von diesen ersten brennend heißen Sommertagen. Während Ich darauf warte, dass meine Freundesgruppe ankommt, lege ich meinen schweren Rucksack ab und lasse meine Blick langsam schweifen. Kolossale Metallkräne ragen in den strahlend blauen Himmel, brutale Überreste längst vergangener Zeiten. Davor steht ein provisorisches Dorf verstreuter Zelte auf staubig trockenem Boden – eine Szenerie wie aus “Mad Max”. Ich blicke in die andere Richtung, eine Gruppe halbnackter Körper tanzt mir entgegegen; ein neongrüner Irokese auf der einen Seite, bodenlange Lederchaps auf der anderen, und riesige auf-und-ab springende Reifenohrringe. “YES BITCH!”, rufe ich plötzlich aus und schnippe mit dem Finger. Ein Fäscher schnappt auf, ein gehauchter Kuss auf meine Wange und das extravagante Ensemble wirbelt an mir vorbei. Ich fange an zu lachen.

Bye Bye Realität. Ich bin zu Hause.

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Ein Leben für die Nacht: Triff die Menschen hinter den berühmtestens Partys Berlins

Ein Leben für die Nacht: Triff die Menschen hinter den berühmtestens Partys Berlins

IHeartBerlin lichtet den Vorhang einiger der geheimnisvollsten Nächte Berlins — um die Menschen dahinter kennen zu lernen.

Tanzflächen sind Raum der Befreiung. Ein Raum, der es uns ermöglicht, die Grenzen unseres Alltags zu vergessen, um zu sein, wer auch immer wir sein wollen — wenn auch nur für eine Nacht. Doch diese Befreiung, braucht ebenso unser Verständnis für die Arbeit, die dahinter steht; hinter Lichtern, Beats und Schweiß.

Räume der Befreiung, der Gemeinschaft und der Kreativität für andere schaffen — für diese sieben Berliner eine Lebensaufgabe.

Lerne sie in der englischen Version des Textes kennen.

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